Disziplin: Carbon Accounting

Carbon-Accounting-Software: den CO2-Fußabdruck messbar machen

Carbon-Accounting-Software berechnet den Treibhausgas-Fußabdruck eines Unternehmens nach Scope 1, 2 und 3 und macht ihn zu einer steuerbaren Kennzahl. Diese Seite erklärt, was die Disziplin leistet, welche Funktionen zählen, was die Praxis lehrt und welche 10 Anbieter dieser Disziplin im Navigator vertreten sind.

Kurz erklärt

Carbon-Accounting-Software ist auf die Klimabilanz spezialisiert. Sie erfasst Aktivitätsdaten wie Energieverbrauch, Kraftstoff und eingekaufte Güter, multipliziert sie mit Emissionsfaktoren und ordnet das Ergebnis den Scopes 1, 2 und 3 zu. Im Unterschied zur breiten Reporting-Software liegt der Fokus klar auf Emissionen und ihrer Reduktion.

Grundlagen

Was Carbon-Accounting-Software leistet

Carbon-Accounting-Software löst drei Aufgaben, die mit einer Tabelle kaum zuverlässig zu bewältigen sind.

01

Emissionen berechnen

Sie verbindet Aktivitätsdaten mit hinterlegten Emissionsfaktoren und liefert eine nachvollziehbare Treibhausgasbilanz in CO2-Äquivalenten.

02

Scope 3 abschätzen

Für die schwer messbare Wertschöpfungskette nutzt sie Schätzmodelle und Branchendaten, damit auch ohne perfekte Lieferantendaten eine belastbare Zahl entsteht.

03

Reduktion planen

Sie zeigt die größten Quellen, simuliert Maßnahmen und verfolgt den Fortschritt gegen Reduktionsziele über die Zeit.

Funktionen

Kernfunktionen einer Carbon-Lösung

Eine vollwertige Lösung deckt sechs Funktionsbereiche ab.

01

Aktivitätsdaten erfassen

Verbrauchs-, Reise- und Einkaufsdaten werden über Schnittstellen oder Uploads gesammelt.

02

Emissionsfaktoren

Eine gepflegte Datenbank an Faktoren ordnet jeder Aktivität die passende Emissionsmenge zu.

03

Scope-Zuordnung

Jede Emission wird automatisch Scope 1, 2 oder 3 und der jeweiligen Kategorie zugewiesen.

04

Lieferantenerhebung

Funktionen zur Datenabfrage bei Lieferanten verbessern die Qualität der Scope-3-Bilanz.

05

Szenarien und Ziele

Reduktionspfade lassen sich modellieren und mit wissenschaftsbasierten Zielen abgleichen.

06

Export und Reporting

Die Bilanz wird für Berichte, Audits und CSRD-Angaben aufbereitet exportiert.

Aus der Praxis

Praxis-Insights aus Bilanzierungsprojekten

Die Erfahrung aus Bilanzierungsprojekten zeigt wiederkehrende Muster.

Insight 01

Scope 3 dominiert die Bilanz

Bei den meisten Unternehmen liegen 70 bis 90 Prozent der Emissionen in Scope 3. Wer dort nur grob schätzt, kennt seinen Fußabdruck kaum.

Insight 02

Emissionsfaktoren altern

Faktoren werden regelmäßig aktualisiert. Eine Lösung, die ihre Datenbank pflegt, erspart stille Fehler in Folgejahren.

Insight 03

Genauigkeit lohnt nicht überall gleich

Primärdaten von Lieferanten sind aufwendig. Sinnvoll ist die Tiefe dort, wo die größten Emissionen liegen, nicht überall gleich.

Insight 04

Die Bilanz ist der Anfang

Eine Zahl allein senkt nichts. Erst die abgeleiteten Maßnahmen und ihre Verfolgung machen aus der Bilanz einen Nutzen.

Insight 05

Verbrauchsdaten kommen aus vielen Quellen

Strom, Wärme, Kraftstoffe, Reisen und Einkauf liegen in unterschiedlichen Systemen und Formaten. Eine Lösung mit guten Importwegen spart hier den meisten Aufwand.

Insight 06

Schätzwert ist nicht gleich Schätzwert

Eine ausgabenbasierte Schätzung ist schnell, aber grob. Mengen- oder lieferantenbasierte Werte sind genauer. Wichtig ist, dass die Software die gewählte Methode dokumentiert.

Insight 07

Die Systemgrenze früh festlegen

Welche Gesellschaften, Standorte und Tätigkeiten zählen zur Bilanz? Ohne klare Systemgrenze sind zwei Bilanzen nicht vergleichbar, auch nicht über die Jahre.

Insight 08

Reduktion braucht ein Ziel

Ohne ein definiertes Reduktionsziel bleibt die Bilanz eine Zahl. Software hilft erst dann, wenn Maßnahmen, Verantwortliche und Zwischenstände hinterlegt sind.

Anbietervergleich

Die 10 Carbon-Anbieter im Vergleich

10 Anbieter aus dem Navigator haben ihren Schwerpunkt im Carbon Accounting. Die Übersicht ordnet sie nach Fokus und typischer Eignung.

AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
MeasurablEmissionsdaten für ImmobilienImmobilienwirtschaft
NormativeWissenschaftsbasiertes Carbon AccountingMittlere bis große Unternehmen
PersefoniPrüffähige TreibhausgasbilanzGrößere Unternehmen, Finanzsektor
Plan ACarbon Accounting plus DekarbonisierungMittelstand bis Großunternehmen
GreenlyCarbon Accounting, einfacher EinstiegKleine und mittlere Unternehmen
CozeroCO2-Bilanz und DekarbonisierungsplanungMittelstand, DACH-Raum
TansoCarbon Accounting und CSRD für IndustrieProduzierende Unternehmen
ClimatePartnerCO2-Bilanz plus KlimaschutzmaßnahmenMarken- und Konsumgüterunternehmen
EnergyCAPEnergie- und VerbrauchsdatenmanagementEnergieintensive Betriebe und Liegenschaften
CarbonhoundGeführte EmissionsmessungKleinere Unternehmen
Weitere etablierte Anbieter am Carbon-Markt
AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
WatershedEmissionsmessung und Klimaprogramme für KonzerneGrößere internationale Unternehmen
SweepCarbon- und ESG-Daten in einer PlattformMittlere bis große Unternehmen
Sinai TechnologiesCO2-Bilanz und DekarbonisierungsszenarienIndustrie und größere Unternehmen
EmitwiseCarbon Accounting mit Fokus auf die LieferketteProduzierende Unternehmen
CarbonChainEmissionen für rohstoffintensive LieferkettenRohstoff- und Industriebetriebe
AltruistiqEmissionsdaten für Konsumgüter und HandelKonsumgüter- und Handelsunternehmen
PathzeroCO2-Bilanz mit Schwerpunkt auf InvestmentsFinanz- und Beteiligungsunternehmen
Microsoft Sustainability ManagerEmissionsdaten in der Microsoft-CloudMicrosoft-Anwender
Salesforce Net Zero CloudEmissions-Reporting in SalesforceSalesforce-Anwender

Die obere Gruppe umfasst die 10 Carbon-Anbieter aus dem ESG-Software-Navigator, die im KI-Matching von find-your-esg.de berücksichtigt werden. Die zweite Gruppe nennt weitere am Markt verbreitete Lösungen zur Orientierung.

Auswahl

Fünf Kriterien für die Auswahl

Diese fünf Kriterien helfen, im Carbon-Segment die passende Lösung zu finden.

01

Methodik und Faktoren

Folgt die Software anerkannten Methoden wie dem Greenhouse Gas Protocol und pflegt sie ihre Emissionsfaktoren?

02

Scope-3-Tiefe

Wie gut bildet die Lösung die für Sie wesentlichen Scope-3-Kategorien ab?

03

Datenanbindung

Lassen sich Energie-, Reise- und Einkaufsdaten automatisiert anbinden?

04

Prüffähigkeit

Sind die Berechnungen hinterlegt und nachvollziehbar, sodass ein Prüfer ihnen folgen kann?

05

Branchenpassung

Eine Lösung für die Immobilienwirtschaft hat andere Stärken als eine für die Industrie. Die Passung zur Branche zählt.

Anbieterporträts

Sechs Carbon-Lösungen im Porträt

Die Tabelle ordnet das Feld nach Schwerpunkt. Die folgenden Kurzporträts zeigen, wofür einzelne Lösungen besonders häufig gewählt werden, von der schlanken Einstiegslösung bis zur prüffähigen Konzernplattform.

Prüffähige Bilanz

Persefoni

Legt den Schwerpunkt auf eine nachvollziehbare, prüfbare Treibhausgasbilanz nach anerkannten Methoden. Häufig gewählt von größeren Unternehmen und Akteuren im Finanzsektor, für die der Prüfpfad zentral ist.

Wissenschaftsbasiert

Normative

Berechnet Emissionen mit einem methodisch strengen Ansatz und breiter Scope-3-Abdeckung. Passend für Unternehmen, die Wert auf eine wissenschaftlich belastbare Grundlage legen.

Bilanz & Dekarbonisierung

Plan A

Verbindet die CO2-Bilanz mit Dekarbonisierungsplanung und CSRD-Funktionen. Geeignet für Unternehmen, die Messung und Reduktion in einem Werkzeug bündeln wollen.

Bilanz & Steuerung

Cozero

Deutsche Plattform für CO2-Bilanzierung und die Planung von Reduktionsmaßnahmen. Eine Option für den Mittelstand im DACH-Raum mit Bedarf an deutschsprachiger Begleitung.

Industrie & CSRD

Tanso

Carbon Accounting mit klarem Fokus auf produzierende Unternehmen, verbunden mit CSRD-Funktionen. Passend für die Industrie mit komplexen Produktions- und Energiedaten.

Einfacher Einstieg

Greenly

Auf einen schnellen, geführten Einstieg ausgerichtet. Geeignet für kleine und mittlere Unternehmen, die ihren Fußabdruck erstmals strukturiert erfassen wollen.

Auswahl in der Praxis

Praxis-Tipps für die Auswahl

Die Kriterien zeigen, worauf es ankommt. Diese Tipps zeigen, wie Sie im Auswahlprozess konkret vorgehen, damit die Bilanz am Ende belastbar ist und nicht nur eine Zahl liefert.

01

Den eigenen Emissionsschwerpunkt kennen

Klären Sie vorab grob, wo Ihre Emissionen liegen: in der eigenen Produktion, im Energiebezug oder in der Lieferkette. Daraus ergibt sich, welche Scope-3-Tiefe die Software wirklich abdecken muss.

02

Die Emissionsfaktor-Datenbank prüfen

Fragen Sie, welche Faktoren-Datenbanken die Software nutzt und wie oft sie aktualisiert werden. Veraltete Faktoren erzeugen stille Fehler, die erst im Folgejahr auffallen.

03

Importwege für Verbrauchsdaten testen

Lassen Sie sich zeigen, wie Strom-, Kraftstoff- und Einkaufsdaten in das Tool gelangen. Müssen sie manuell erfasst werden, wird die jährliche Bilanz schnell zur Last.

04

Methodentransparenz verlangen

Eine gute Lösung zeigt offen, welche Methode hinter jeder Zahl steht und wie groß die Unsicherheit ist. Eine Bilanz ohne dokumentierte Methode überzeugt keine Prüfung.

05

Von der Messung zur Maßnahme denken

Prüfen Sie, ob die Software auch Reduktionsziele, Maßnahmen und deren Verfolgung abbildet. Eine reine Messlösung lässt die eigentliche Arbeit ungetan.

06

Den laufenden Aufwand kalkulieren

Wie viel Zeit kostet die Bilanz im zweiten und dritten Jahr? Achten Sie auf wiederverwendbare Datenwege und Vorjahresvergleiche, dort entscheidet sich der Nutzen.

Fehler vermeiden

Typische Fehler bei der Auswahl

Eine CO2-Bilanz scheitert selten an der Software, sondern an Entscheidungen davor. Diese sechs Fehler kosten in Carbon-Projekten besonders viel Zeit.

01

Scope 3 ausklammern

Wer nur Scope 1 und 2 misst, lässt den größten Teil der Emissionen außen vor. Die Bilanz wirkt vollständig, ist es aber nicht.

02

Die Systemgrenze nicht festlegen

Ohne klare Systemgrenze lassen sich Bilanzen weder über die Jahre noch mit anderen Unternehmen vergleichen.

03

Genauigkeit überall gleich anstreben

Primärdaten für jeden kleinen Posten zu sammeln, bindet Aufwand ohne Nutzen. Tiefe gehört dorthin, wo die großen Emissionen liegen.

04

Die Bilanz als Endpunkt sehen

Eine Zahl senkt nichts. Wer keine Maßnahmen ableitet, hat Aufwand ohne Wirkung erzeugt.

05

Faktoren und Methoden nicht dokumentieren

Ohne Dokumentation lässt sich eine Bilanz später nicht erklären und nicht prüfen. Das fällt spätestens bei der ersten Prüfung auf.

06

Insellösung statt Anbindung

Eine Carbon-Software ohne Verbindung zu ERP, Energie- und Reisedaten erzeugt dauerhaft manuelle Arbeit.

Auswahl starten

Vom Überblick zur passenden Carbon-Lösung

Die Übersicht zeigt das Feld. Welche der 10 Lösungen zu Ihrem Unternehmen passt, hängt von Branche, Datenlage und Reifegrad ab.

Unser KI-Matching vergleicht Ihr Profil in wenigen Minuten mit dem Markt und schlägt die passenden Carbon-Accounting-Lösungen vor.
Fragen und Antworten

Häufige Fragen zu Carbon-Accounting-Software

Software, die den Treibhausgas-Fußabdruck eines Unternehmens nach Scope 1, 2 und 3 berechnet und die Reduktion unterstützt.
Carbon-Accounting-Software ist auf Emissionen spezialisiert. Reporting-Software deckt zusätzlich soziale und Governance-Angaben ab und zielt auf den vollständigen Nachhaltigkeitsbericht.
Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Quellen, Scope 2 die eingekaufte Energie, Scope 3 alle übrigen Emissionen entlang der Wertschöpfungskette.
Scope 1 und 2 lassen sich meist genau erfassen. Scope 3 beruht oft auf Schätzungen mit Branchenfaktoren. Gute Software macht die Methode und ihre Unsicherheit transparent.
Sobald Kunden oder Banken einen CO2-Fußabdruck verlangen, lohnt sich eine schlanke Lösung. Mehrere Anbieter sind auf kleinere Unternehmen ausgerichtet.
Einsteigerlösungen beginnen im niedrigen vierstelligen Jahresbereich, umfassende Plattformen für große Unternehmen liegen deutlich darüber.
Nein. Die CSRD verlangt einen vollständigen Nachhaltigkeitsbericht, die Klimaangaben sind nur ein Teil davon. Carbon-Accounting-Software liefert diesen Teil, ersetzt aber keine Reporting-Software.
Ein Ziel, das mit den Pfaden des Pariser Abkommens vereinbar ist, etwa nach der Science Based Targets initiative. Manche Software unterstützt die Zielsetzung und ihre Verfolgung direkt.
Zu Beginn arbeitet man mit Branchen- und Ausgabenfaktoren. Mit der Zeit ersetzt man die größten Posten durch echte Lieferantendaten. Gute Software erlaubt diesen schrittweisen Übergang.
Achten Sie auf Standort- und Mandantenstrukturen. Für Konzerne sind die getrennte Auswertung je Gesellschaft und die anschließende Konsolidierung wichtig.
Für den Bericht genügt einmal jährlich. Für die Steuerung von Maßnahmen sind unterjährige Aktualisierungen sinnvoll, etwa quartalsweise.
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