Disziplin: EHS

EHS-Software: Umwelt, Arbeitsschutz und Sicherheit im Griff

EHS-Software steuert Environment, Health und Safety im operativen Betrieb. Sie verbindet Umweltauflagen, Arbeitssicherheit und Standortdaten zu einem System. Diese Seite erklärt, was die Disziplin leistet, welche Funktionen zählen, was die Praxis lehrt und welche 13 Anbieter dieser Disziplin im Navigator vertreten sind.

Kurz erklärt

EHS steht für Environment, Health und Safety, also Umwelt, Gesundheit und Arbeitssicherheit. EHS-Software ist dort zu Hause, wo Nachhaltigkeit im Betrieb konkret wird: an Produktionsstandorten, in Anlagen und Lieferketten. Sie verwaltet Auflagen, Vorfälle, Audits und Umweltkennzahlen und ist damit die operative Seite von ESG.

Grundlagen

Was EHS-Software leistet

EHS-Software macht den operativen Teil von Nachhaltigkeit beherrschbar. Drei Leistungen stehen im Zentrum.

01

Auflagen erfüllen

Sie verfolgt gesetzliche Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen je Standort und stellt sicher, dass Fristen, Genehmigungen und Nachweise eingehalten werden.

02

Vorfälle managen

Unfälle, Beinahe-Unfälle und Umweltereignisse werden erfasst, untersucht und ausgewertet, damit sich Muster erkennen und Risiken senken lassen.

03

Umweltdaten erheben

Energie, Wasser, Abfall und Emissionen werden standortgenau erfasst. Diese Daten sind oft die Grundlage für die spätere CO2-Bilanz.

Funktionen

Kernfunktionen einer EHS-Plattform

Eine vollwertige EHS-Plattform deckt sechs Funktionsbereiche ab.

01

Compliance-Register

Alle relevanten Auflagen und Genehmigungen je Standort an einem Ort, mit Fristenüberwachung.

02

Vorfallmanagement

Erfassung, Untersuchung und Maßnahmenverfolgung für Unfälle und Umweltereignisse.

03

Audit und Inspektion

Geplante und mobile Begehungen mit Checklisten und automatischer Mängelverfolgung.

04

Gefahrstoff- und Anlagendaten

Verwaltung von Gefahrstoffen, Sicherheitsdatenblättern und Anlagenkennzahlen.

05

Umwelt- und Energiedaten

Erfassung von Verbräuchen und Emissionen als Basis für Kennzahlen und Reporting.

06

Schulung und Unterweisung

Nachweis von Pflichtschulungen und Unterweisungen der Beschäftigten.

Aus der Praxis

Praxis-Insights aus EHS-Einführungen

Aus EHS-Einführungen lassen sich klare Muster ablesen.

Insight 01

EHS lebt an der Front, nicht im Büro

Eine Lösung wird nur genutzt, wenn sie an Maschine und Standort funktioniert. Mobile Bedienbarkeit entscheidet über die Akzeptanz.

Insight 02

Daten doppelt nutzen

Die Umwelt- und Energiedaten aus dem EHS-System sind wertvoll für die CO2-Bilanz. Wer das früh mitdenkt, vermeidet doppelte Erfassung.

Insight 03

Vorfälle melden ist Kulturarbeit

Software allein erhöht keine Meldequote. Sie wirkt erst, wenn das Melden im Betrieb erwünscht und einfach ist.

Insight 04

Breite Suiten sind nicht für jeden

Große EHS-Suiten bieten viel, überfordern kleinere Betriebe aber schnell. Der Funktionsumfang sollte zur Organisation passen.

Insight 05

Ein Standort als Pilot

Eine EHS-Einführung über alle Standorte gleichzeitig überfordert die Organisation. Ein Pilotstandort zeigt früh, was funktioniert, und liefert eine Vorlage für den Rollout.

Insight 06

Konfiguration schlägt Programmierung

Betriebe und Vorschriften ändern sich. Eine Lösung, die sich ohne Entwickler anpassen lässt, bleibt langfristig nutzbar. Stark programmierte Tools veralten schneller.

Insight 07

Offline-Fähigkeit ist kein Detail

In Werkshallen, im Lager oder im Feld ist die Verbindung oft schlecht. Wenn die App offline erfasst und später synchronisiert, wird sie auch wirklich genutzt.

Insight 08

Kennzahlen erst, wenn die Basis steht

Dashboards und Auswertungen sind attraktiv, aber wertlos ohne verlässliche Erfassung an der Front. Erst die Datenbasis, dann die Kennzahlen.

Anbietervergleich

Die 13 EHS-Anbieter im Vergleich

13 Anbieter aus dem Navigator haben ihren Schwerpunkt in EHS und Umweltmanagement. Die Übersicht ordnet sie nach Fokus und typischer Eignung.

AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
SAPEHS und Sustainability im ERP-VerbundGroße SAP-Anwender
EnablonEHS, Risiko und Nachhaltigkeit breitGroße Industrieunternehmen
SpheraEHS, Ökobilanz, LieferkettenrisikoIndustrie und Großunternehmen
CorityEHS mit NachhaltigkeitsmodulMittlere bis große Unternehmen
Benchmark GensuiteEHS für operative StandorteProduzierende Betriebe
IntelexUmwelt, Arbeitsschutz und QualitätIndustrie und Mittelstand
VelocityEHSArbeitssicherheit und Umwelt-ComplianceMittlere bis große Betriebe
DNV Synergi LifeRisiko und QHSE mit ESG-ModulIndustrie, Energie, Maritim
ResourcifyAbfallmanagement und RecyclingBetriebe mit hohem Abfallaufkommen
SafetyCultureInspektionen und ArbeitssicherheitBetriebe mit vielen Standorten
WildnoteUmweltdaten im Feld erfassenUmweltdienstleister und Projektbüros
WastebitsSteuerung von AbfallströmenAbfallintensive Branchen
MapistryUmwelt-Compliance an StandortenIndustriestandorte
Weitere etablierte Anbieter am EHS-Markt
AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
EHS InsightKonfigurierbare EHS-Software für Vorfälle und AuditsMittlere bis große Unternehmen
Ideagen EHSEHS- und Qualitätsmanagement, breit aufgestelltRegulierte Industrien
HSI DonesafeEHS- und Sicherheitsplattform, stark konfigurierbarMittlere bis große Betriebe
EvotixArbeitssicherheit und GesundheitsschutzIndustrie und operative Standorte
Origami RiskRisiko- und EHS-Management verbundenGrößere Unternehmen und Versicherer
Vector EHSVorfälle, Inspektionen und ComplianceÖffentliche und industrielle Betriebe
Pro-SapienEHS-Software auf Microsoft 365Microsoft-orientierte Unternehmen
QuenticEHS- und Nachhaltigkeitssoftware, EuropaMittelstand und Konzerne, DACH-Raum
CapptionsMobile EHS-Inspektionen und AuditsBetriebe mit Außendienst und vielen Standorten

Die obere Gruppe umfasst die 13 EHS-Anbieter aus dem ESG-Software-Navigator, die im KI-Matching von find-your-esg.de berücksichtigt werden. Die zweite Gruppe nennt weitere am Markt verbreitete Lösungen zur Orientierung.

Auswahl

Fünf Kriterien für die Auswahl

Diese fünf Kriterien helfen, im EHS-Segment die passende Lösung zu finden.

01

Funktionsumfang

Deckt die Lösung Ihre Pflichtbereiche ab, von Compliance über Vorfälle bis zu Umweltdaten, ohne überladen zu sein?

02

Mobile Nutzung

Funktioniert das System am Standort und auf dem Mobilgerät? Das entscheidet über die tatsächliche Nutzung.

03

Standortlogik

Bildet die Software mehrere Standorte mit eigenen Auflagen sauber ab?

04

Datenanschluss

Lassen sich Umwelt- und Energiedaten weiterverwenden, etwa für die CO2-Bilanz?

05

Branchentiefe

Industrie, Bau oder Chemie haben spezifische Anforderungen. Branchenerfahrung des Anbieters zahlt sich aus.

Anbieterporträts

Sechs EHS-Lösungen im Porträt

Die Tabelle ordnet das Feld nach Schwerpunkt. Die folgenden Kurzporträts zeigen, wofür einzelne Lösungen besonders häufig gewählt werden, von der mobilen Inspektions-App bis zur breiten Industrie-Suite.

Breite Industrie-Suite

Enablon

Eine umfassende Plattform für EHS, operative Risiken und Nachhaltigkeit. Häufig gewählt von großen Industrieunternehmen, die viele Bereiche in einem System bündeln wollen.

EHS & Ökobilanz

Sphera

Verbindet EHS mit Ökobilanzen und Lieferkettenrisiken. Passend für Industrie und Großunternehmen, die operativen Schutz und Produktbewertung zusammen denken.

EHS & Nachhaltigkeit

Cority

EHS-Plattform mit eigenem Modul für Nachhaltigkeitsdaten. Geeignet für mittlere bis große Unternehmen, die EHS und ESG-Reporting verbinden möchten.

Operative Standorte

Benchmark Gensuite

Auf den operativen Betrieb an Produktionsstandorten ausgerichtet. Eine Option für produzierende Betriebe mit vielen wiederkehrenden Routinen.

Mobile Inspektionen

SafetyCulture

Mobile Plattform für Inspektionen, Checklisten und Arbeitssicherheit. Stark in Betrieben mit vielen Standorten und Teams, die direkt vor Ort erfassen.

Umwelt & Qualität

Intelex

Verbindet Umwelt, Arbeitsschutz und Qualitätsmanagement in einem Werkzeug. Geeignet für Industrie und Mittelstand mit Bedarf an mehreren Managementsystemen.

Auswahl in der Praxis

Praxis-Tipps für die Auswahl

Die Kriterien zeigen, worauf es ankommt. Diese Tipps zeigen, wie Sie im Auswahlprozess konkret vorgehen, damit die EHS-Lösung im Betrieb auch wirklich ankommt.

01

Mit den Anwendern an der Front sprechen

Beziehen Sie die Personen ein, die später melden und inspizieren. Eine Lösung, die am Schreibtisch überzeugt, aber an der Maschine umständlich ist, wird nicht genutzt.

02

Die Lösung mobil und offline testen

Lassen Sie sich die App auf dem Smartphone zeigen, idealerweise ohne Verbindung. EHS-Arbeit findet im Feld statt, nicht nur im Büro.

03

Den Modulzuschnitt am Risiko ausrichten

Wählen Sie die Module nach Ihrem tatsächlichen Risikoprofil, nicht nach dem maximalen Angebot. Ungenutzte Module kosten Geld und Übersicht.

04

Konfigurierbarkeit prüfen

Fragen Sie, ob sich Formulare, Workflows und Auswertungen ohne Entwickler anpassen lassen. Betriebe und Vorschriften ändern sich, das Tool sollte folgen können.

05

Datenwege zu HR, ERP und Energie klären

Achten Sie auf Schnittstellen. EHS-Daten sind doppelt wertvoll, wenn sie auch in die Nachhaltigkeitsberichterstattung fließen, statt erneut erfasst zu werden.

06

Den Rollout in Stufen planen

Starten Sie mit einem Pilotstandort, lernen Sie daraus und rollen Sie dann weiter aus. Ein gleichzeitiger Start überall überfordert die Organisation.

Fehler vermeiden

Typische Fehler bei der Auswahl

EHS-Software scheitert selten an fehlenden Funktionen, sondern an der Akzeptanz im Betrieb. Diese sechs Fehler tauchen besonders häufig auf.

01

Die größte Suite wählen

Eine breite Industrie-Suite überfordert einen kleineren Betrieb. Mehr Funktionen bedeuten nicht mehr Sicherheit, sondern oft weniger Übersicht.

02

Die Anwender übergehen

Wird die Lösung ohne die Personen an der Front ausgewählt, passt sie selten zum Arbeitsalltag und wird gemieden.

03

Mobile Nutzung unterschätzen

Ein Tool, das im Feld nicht funktioniert, bleibt ungenutzt. Die Bedienung am Standort ist kein Nebenaspekt.

04

Auf Dashboards statt auf Erfassung schauen

Schöne Auswertungen beeindrucken in der Demo. Wertvoll werden sie erst, wenn die Daten an der Front verlässlich erfasst werden.

05

Alles auf einmal ausrollen

Ein konzernweiter Start ohne Pilot führt zu Reibung an vielen Standorten gleichzeitig. Stufen reduzieren das Risiko.

06

Insellösung ohne Datenanbindung

Ein EHS-System ohne Verbindung zu HR, ERP und Energie erzeugt doppelte Erfassung und ungenutzte Daten.

Auswahl starten

Vom Überblick zur passenden EHS-Lösung

Die Übersicht zeigt das Feld. Welche der 13 Lösungen zu Ihrem Betrieb passt, hängt von Branche, Standortstruktur und Funktionsbedarf ab.

Unser KI-Matching vergleicht Ihr Profil in wenigen Minuten mit dem Markt und schlägt die passenden EHS-Lösungen vor.
Fragen und Antworten

Häufige Fragen zu EHS-Software

EHS steht für Environment, Health und Safety, also Umwelt, Gesundheit und Arbeitssicherheit. EHS-Software steuert diese Bereiche im operativen Betrieb.
EHS-Software steuert den operativen Umwelt- und Arbeitsschutz. Reporting-Software fasst Daten zu einem Nachhaltigkeitsbericht zusammen. Häufig liefert EHS die Daten, die Reporting auswertet.
Nicht direkt. Die CSRD verlangt einen Bericht, kein EHS-System. EHS-Software liefert aber viele der dafür nötigen Umwelt- und Sozialdaten.
Es gibt schlanke Lösungen für einzelne Standorte und mobile Anwendungen. Große Suiten sind eher für Industrieunternehmen mit vielen Standorten gedacht.
Viele EHS-Systeme erfassen Energie- und Emissionsdaten, die sich für die CO2-Bilanz nutzen lassen. Wie tief die Verbindung reicht, unterscheidet sich je nach Anbieter.
Die Spanne ist groß. Modulare Lösungen für einzelne Standorte sind günstiger, umfassende Industrie-Suiten bewegen sich im fünfstelligen Jahresbereich und darüber.
Üblich sind Vorfall- und Beinahe-Unfall-Meldungen, Gefährdungsbeurteilungen, Audits und Inspektionen, Schulungsnachweise, Gefahrstoffe sowie Umwelt- und Abfalldaten. Der genaue Umfang hängt vom Anbieter und den gewählten Modulen ab.
Das hängt von Größe und Risikoprofil ab. Ein Industriekonzern mit vielen Standorten profitiert von einer breiten Suite, ein Betrieb mit klarem Schwerpunkt fährt mit gezielten Modulen oft besser.
Sehr wichtig. EHS-Aufgaben fallen an der Maschine und am Standort an. Eine Lösung, die nur am Schreibtisch funktioniert, wird im Betrieb kaum genutzt.
Gute Lösungen bieten Schnittstellen zu HR-, ERP- und Energiesystemen. Das vermeidet doppelte Erfassung und macht die Daten auch für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nutzbar.
Ein einzelner Standort lässt sich in Wochen ausrollen. Ein konzernweiter Rollout über viele Standorte dauert mehrere Monate bis über ein Jahr, je nach Zahl der Module und Standorte.
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