Disziplin: Daten und Ratings

ESG-Daten und Ratings: Bewertungen und regulatorisches Wissen

Diese Disziplin liefert keine Software zum Berichten, sondern den Rohstoff dahinter: externe ESG-Bewertungen, Ratings und regulatorisches Wissen. Diese Seite erklärt, was die Disziplin leistet, welche Funktionen zählen, was die Praxis lehrt und welche 4 Anbieter dieser Disziplin im Navigator vertreten sind.

Kurz erklärt

ESG-Daten, Ratings und Regulatorik ist die Disziplin, die Wissen von außen ins Unternehmen bringt. Dazu gehören ESG-Ratings, die ein Unternehmen extern bewerten, Werkzeuge für die Wesentlichkeitsanalyse und Dienste, die laufend verfolgen, welche Vorschriften gelten. Anders als Reporting- oder Carbon-Software erzeugt sie keine Bilanz, sondern liefert Bewertung, Kontext und Orientierung.

Grundlagen

Was die Disziplin leistet

Diese Disziplin bündelt drei Leistungen, die alle den Blick von außen nach innen richten.

01

Extern bewerten

ESG-Ratings beurteilen ein Unternehmen anhand öffentlicher und erfragter Daten. Investoren und Geschäftspartner nutzen sie als schnelle Einschätzung.

02

Wesentliches erkennen

Werkzeuge für die Wesentlichkeitsanalyse zeigen, welche Themen für ein Unternehmen relevant sind, oft gestützt auf die Beobachtung externer Quellen.

03

Regeln verfolgen

Regulatorische Dienste verfolgen laufend, welche Gesetze und Vorschriften für ein Unternehmen und seine Standorte gelten.

Funktionen

Kernfunktionen dieser Disziplin

Je nach Ausrichtung deckt eine Lösung dieser Disziplin sechs Funktionsbereiche ab.

01

Rating und Scoring

Bewertung eines Unternehmens anhand definierter ESG-Kriterien zu einer vergleichbaren Kennzahl.

02

Datenaggregation

Bündelung öffentlicher und gemeldeter Daten zu einem konsistenten ESG-Profil.

03

Wesentlichkeitsanalyse

Werkzeuge, die relevante Themen identifizieren und priorisieren, auch im Sinne der doppelten Wesentlichkeit.

04

Kontroversenbeobachtung

Laufende Beobachtung externer Quellen auf negative Ereignisse und Reputationsrisiken.

05

Regulatorisches Tracking

Verfolgung geltender und kommender Vorschriften je Land, Branche und Standort.

06

Benchmarking

Einordnung der eigenen Werte im Vergleich zu Wettbewerb und Branche.

Aus der Praxis

Praxis-Insights zu Daten und Ratings

Aus der Arbeit mit ESG-Daten und Ratings lassen sich klare Muster ablesen.

Insight 01

Ratings sind nicht einheitlich

Verschiedene Anbieter bewerten dasselbe Unternehmen unterschiedlich, weil Methoden und Daten variieren. Ein Rating ist eine Einschätzung, kein Faktum.

Insight 02

Daten von außen ergänzen, ersetzen nicht

Externe Bewertungen ersetzen keine eigene Datenerhebung. Sie liefern Kontext, nicht den Pflichtbericht.

Insight 03

Regulatorik altert schnell

Vorschriften ändern sich laufend, gerade im ESG-Umfeld. Ein Dienst, der das aktiv pflegt, ist mehr wert als eine einmalige Übersicht.

Insight 04

Die Wesentlichkeit steuert den Aufwand

Wer früh klärt, welche Themen wirklich relevant sind, vermeidet, Daten zu Nebensächlichem zu sammeln.

Insight 05

Den Zweck der Daten klären

Externe ESG-Daten dienen mal dem Benchmarking, mal dem Risiko-Screening, mal der Investorenkommunikation. Wer den Zweck vorab festlegt, wählt den passenden Anbieter statt des bekanntesten.

Insight 06

Ein schlechtes Rating ist oft eine Datenfrage

Häufig liegt ein niedriges Rating nicht an der Leistung, sondern an fehlenden oder veralteten Daten beim Anbieter. Wer seine Daten aktiv pflegt, verbessert das Bild ohne Schönfärberei.

Insight 07

Wesentlichkeit ist kein Einmal-Projekt

Was wesentlich ist, verschiebt sich mit Markt und Regulatorik. Eine Lösung, die Themen laufend beobachtet, hält die Wesentlichkeitsanalyse aktuell.

Insight 08

Datenlizenzen genau lesen

ESG-Daten kommen mit Nutzungsbedingungen. Ob Sie Werte intern weitergeben, veröffentlichen oder in Tools einspeisen dürfen, sollte vor dem Vertrag geklärt sein.

Anbietervergleich

Die 4 Anbieter im Vergleich

4 Anbieter aus dem Navigator haben ihren Schwerpunkt in ESG-Daten, Ratings und Regulatorik. Die Übersicht ordnet sie nach Fokus und typischer Eignung.

AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
Morningstar SustainalyticsESG-Ratings und RisikobewertungInvestoren und bewertete Unternehmen
DatamaranWesentlichkeit und externe RisikobeobachtungGrößere Unternehmen
LibryoRechtliche Pflichten je StandortMulti-Standort-Organisationen
EnhesaRegulatorische Compliance-IntelligenzInternational tätige Unternehmen
Weitere etablierte Anbieter für ESG-Daten und Ratings
AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
MSCI ESG ResearchESG-Ratings und Research für KapitalmärkteInvestoren und große Unternehmen
S&P Global Sustainable1ESG-Scores, Daten und BenchmarksInvestoren und Großunternehmen
Moody's ESGESG-Bewertungen und RisikodatenFinanzsektor und große Unternehmen
ISS ESGESG-Ratings und Governance-DatenInvestoren und börsennotierte Unternehmen
LSEG ESGESG-Daten und Scores aus der LSEG-GruppeFinanzmarktakteure
RepRiskESG-Risikodaten aus externen QuellenRisiko- und Compliance-Funktionen
CDPUmwelt-Offenlegung und KlimadatenUnternehmen und Investoren
Clarity AIESG-Daten und Analytik, KI-gestütztInvestoren und größere Unternehmen
Bloomberg ESGESG-Daten im Bloomberg-TerminalFinanzmarktakteure

Die obere Gruppe umfasst die 4 Anbieter aus dem ESG-Software-Navigator, die im KI-Matching von find-your-esg.de berücksichtigt werden. Die zweite Gruppe nennt weitere am Markt verbreitete Datendienste zur Orientierung.

Auswahl

Fünf Kriterien für die Auswahl

Diese fünf Kriterien helfen, in dieser Disziplin die passende Lösung zu finden.

01

Art des Bedarfs

Brauchen Sie ein externes Rating, eine Wesentlichkeitsanalyse oder regulatorisches Wissen? Die Anbieter sind unterschiedlich ausgerichtet.

02

Methodentransparenz

Ist nachvollziehbar, wie eine Bewertung zustande kommt und welche Daten einfließen?

03

Abdeckung

Deckt der Dienst die für Sie relevanten Länder, Branchen und Vorschriften ab?

04

Aktualität

Wie häufig werden Bewertungen und regulatorische Inhalte aktualisiert?

05

Anschluss an das Reporting

Lassen sich die Daten in Ihre Reporting- oder GRC-Werkzeuge übernehmen?

Anbieterporträts

Sechs Lösungen im Porträt

Die Tabelle ordnet das Feld nach Schwerpunkt. Die folgenden Kurzporträts zeigen, wofür einzelne Lösungen besonders häufig gewählt werden, vom ESG-Rating bis zur regulatorischen Compliance-Intelligenz.

ESG-Ratings

Morningstar Sustainalytics

Bekannter Anbieter von ESG-Ratings und Risikobewertungen. Häufig genutzt von Investoren und von Unternehmen, die ihre eigene externe Bewertung verstehen und einordnen wollen.

Ratings & Research

MSCI ESG Research

Liefert ESG-Ratings und Research mit starkem Bezug zu den Kapitalmärkten. Eine Referenz für Investoren und für große, börsennotierte Unternehmen.

Wesentlichkeit & Risiko

Datamaran

KI-gestützte Software für Wesentlichkeitsanalyse und die Beobachtung externer Risiken. Geeignet für größere Unternehmen, die Themen laufend statt einmal jährlich verfolgen wollen.

Regulatorik

Enhesa

Regulatorische Compliance-Intelligenz zu EHS- und Nachhaltigkeitsvorschriften. Passend für international tätige Unternehmen, die in vielen Ländern den Überblick über Pflichten behalten müssen.

Rechtliche Pflichten

Libryo

Verfolgt, welche rechtlichen und regulatorischen Pflichten je Standort gelten. Eine Option für Organisationen mit vielen Standorten und Rechtsräumen.

ESG-Risikodaten

RepRisk

Sammelt ESG-Risikodaten aus externen Quellen, etwa Medien und Berichten. Geeignet für Risiko- und Compliance-Funktionen, die Vorfälle bei Partnern früh erkennen wollen.

Auswahl in der Praxis

Praxis-Tipps für die Auswahl

Die Kriterien zeigen, worauf es ankommt. Diese Tipps zeigen, wie Sie im Auswahlprozess konkret vorgehen, damit Sie die passenden Daten beziehen statt der bekanntesten.

01

Den Verwendungszweck zuerst festlegen

Benchmarking, Risiko-Screening, Investorenkommunikation oder Wesentlichkeit: Jeder Zweck verlangt andere Daten. Klären Sie ihn, bevor Sie Anbieter vergleichen.

02

Methodik und Abdeckung prüfen

Fragen Sie, wie ein Rating zustande kommt und welche Unternehmen, Branchen und Regionen abgedeckt sind. Eine hohe Abdeckung nützt wenig, wenn Ihre Branche schwach vertreten ist.

03

Die Aktualität der Daten hinterfragen

Klären Sie, wie oft Daten und Vorschriften aktualisiert werden. Gerade bei regulatorischen Diensten entscheidet die Pflege über den Wert.

04

Die Nutzungsrechte klären

Lesen Sie die Lizenzbedingungen genau. Ob Sie Werte intern teilen, veröffentlichen oder in Software einspeisen dürfen, gehört vor den Vertrag geklärt.

05

Eigene Daten als Hebel nutzen

Wenn ein Rating auf lückenhaften Daten beruht, hilft es, dem Anbieter aktuelle Informationen bereitzustellen. Das verbessert die Bewertung auf einer korrekten Grundlage.

06

Den Bedarf an mehreren Quellen abwägen

Eine einzelne Quelle genügt oft für den Einstieg. Wer ein belastbares Gesamtbild braucht, sollte vorab klären, ob sich mehrere Quellen kombinieren lassen.

Fehler vermeiden

Typische Fehler bei der Auswahl

Bei ESG-Daten und Ratings entstehen die teuersten Fehler aus falschen Erwartungen an das, was externe Daten leisten. Diese sechs Muster sind besonders häufig.

01

Ein Rating für ein Faktum halten

Ratings sind begründete Einschätzungen, keine objektiven Messwerte. Wer sie unbesehen übernimmt, baut auf eine fremde Methode.

02

Den Verwendungszweck nicht klären

Ohne klaren Zweck wird der bekannteste Anbieter gewählt, nicht der passende. Daten ohne Ziel bleiben ungenutzt.

03

Externe Daten als Bericht missverstehen

ESG-Daten und Ratings ersetzen keinen eigenen Nachhaltigkeitsbericht. Sie liefern Kontext, nicht die Pflichterfüllung.

04

Die Datenlizenz übersehen

Wer Werte ohne Prüfung der Nutzungsrechte weitergibt oder veröffentlicht, riskiert einen Vertragsbruch.

05

Auf veraltete Regulatorik bauen

Eine einmalige Vorschriftenübersicht veraltet schnell. Ohne laufende Pflege werden neue Pflichten übersehen.

06

Die Abdeckung nicht prüfen

Ein renommierter Anbieter nützt wenig, wenn Ihre Branche oder Region kaum abgedeckt ist. Abdeckung schlägt Bekanntheit.

Auswahl starten

Vom Überblick zur passenden Lösung

Die Übersicht zeigt das Feld. Welche der 4 Lösungen zu Ihrem Unternehmen passt, hängt davon ab, ob Sie Bewertung, Wesentlichkeit oder regulatorisches Wissen brauchen.

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Fragen und Antworten

Häufige Fragen zu ESG-Daten und Ratings

Ein ESG-Rating ist eine externe Bewertung eines Unternehmens anhand von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien. Es wird von spezialisierten Anbietern erstellt und unter anderem von Investoren genutzt.
Weil Methoden, Gewichtungen und Datenquellen sich unterscheiden. Ein Rating ist eine begründete Einschätzung und kein objektiver Messwert.
Sie ermittelt, welche Nachhaltigkeitsthemen für ein Unternehmen relevant sind. Die doppelte Wesentlichkeit betrachtet sowohl die Wirkung des Unternehmens als auch die Risiken für das Unternehmen.
Nein. ESG-Daten und Ratings liefern Bewertung und Kontext. Den eigenen Nachhaltigkeitsbericht erstellt man weiterhin mit Reporting-Software.
Das sind Dienste, die laufend verfolgen, welche Gesetze und Vorschriften für ein Unternehmen gelten, damit keine Pflicht übersehen wird.
Die Preise hängen stark von Umfang und Anbieter ab. Sie reichen von Abonnements im vierstelligen Bereich bis zu individuell verhandelten Verträgen für umfassende Datendienste.
Reporting-Software erstellt den eigenen Nachhaltigkeitsbericht. ESG-Daten und Ratings liefern externe Bewertungen, Marktdaten und regulatorisches Wissen. Beide ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht.
Nicht direkt, aber indirekt. Wer dem Rating-Anbieter vollständige und aktuelle Daten zur Verfügung stellt, sorgt dafür, dass die Bewertung auf einer korrekten Grundlage beruht.
CDP ist eine Plattform für die Offenlegung von Umwelt- und Klimadaten. Viele Investoren und Großkunden fragen einen CDP-Score an. Für Zulieferer großer Unternehmen ist die Teilnahme oft faktisch erwartet.
Das hängt vom Zweck ab. Für ein belastbares Bild kombinieren größere Unternehmen oft mehrere Quellen, da sich Methoden und Abdeckung unterscheiden. Kleinere Unternehmen kommen meist mit einer Quelle aus.
Das ist der entscheidende Punkt. Ein guter Dienst pflegt Änderungen laufend ein und meldet neue Pflichten aktiv. Eine einmalige Übersicht veraltet im ESG-Umfeld schnell.
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