Disziplin: Lieferkette

Lieferketten-ESG-Software: Sorgfaltspflicht in der Lieferkette

Lieferketten-ESG-Software bewertet und überwacht Lieferanten auf Nachhaltigkeits- und Sorgfaltskriterien. Sie ist die Antwort auf gesetzliche Sorgfaltspflichten und auf den Druck großer Auftraggeber. Diese Seite erklärt, was die Disziplin leistet, welche Funktionen zählen, was die Praxis lehrt und welche 4 Anbieter dieser Disziplin im Navigator vertreten sind.

Kurz erklärt

Lieferketten-ESG-Software macht die Nachhaltigkeit der eigenen Zulieferer sichtbar und steuerbar. Sie sammelt Daten und Bewertungen zu Umwelt, Menschenrechten und Geschäftsethik der Lieferanten, erkennt Risiken und dokumentiert die unternommenen Sorgfaltsmaßnahmen. Damit ist sie das zentrale Werkzeug für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die europäische CSDDD.

Grundlagen

Was Lieferketten-ESG-Software leistet

Diese Disziplin richtet den Blick nach außen, auf die Zulieferer. Drei Leistungen stehen im Zentrum.

01

Lieferanten bewerten

Sie erhebt Nachhaltigkeitsdaten der Zulieferer, über Fragebögen, Zertifikate oder externe Bewertungen, und macht sie vergleichbar.

02

Risiken erkennen

Sie verknüpft Lieferanten-, Länder- und Branchendaten, um Risiken bei Umwelt, Menschenrechten und Korruption früh sichtbar zu machen.

03

Sorgfalt dokumentieren

Sie protokolliert Prüfungen, Maßnahmen und Beschwerden, sodass die gesetzlich geforderte Sorgfalt nachweisbar wird.

Funktionen

Kernfunktionen einer Lieferketten-Lösung

Eine vollwertige Lösung deckt sechs Funktionsbereiche ab.

01

Lieferantenregister

Ein zentrales Verzeichnis aller Zulieferer mit Stammdaten, Kategorien und Risikoeinstufung.

02

Self-Assessments

Strukturierte Fragebögen erheben Nachhaltigkeitsangaben direkt bei den Lieferanten.

03

Risiko-Screening

Länder-, Branchen- und Sanktionsdaten werden automatisch gegen das Lieferantenportfolio geprüft.

04

Bewertungen und Scores

Externe oder eigene Scorecards bündeln die Lieferantenleistung zu einer vergleichbaren Kennzahl.

05

Maßnahmen und Beschwerden

Korrekturmaßnahmen und ein Beschwerdekanal werden nachvollziehbar gesteuert.

06

Berichts- und Nachweisfunktion

Die dokumentierte Sorgfalt lässt sich für Behörden, Kunden und den eigenen Bericht aufbereiten.

Aus der Praxis

Praxis-Insights aus Lieferketten-Projekten

Aus Lieferketten-Projekten lassen sich klare Muster ablesen.

Insight 01

Die Datenqualität liegt beim Lieferanten

Antworten kommen nur, wenn die Lieferanten mitmachen. Klare Kommunikation und einfache Fragebögen sind wichtiger als jede Zusatzfunktion.

Insight 02

Risiko zuerst, Tiefe danach

Nicht jeder Lieferant braucht die gleiche Prüftiefe. Wer nach Risiko priorisiert, setzt Aufwand dort ein, wo er zählt.

Insight 03

Bewertungen sind eine Sprache

Verbreitete Scorecards wie die von EcoVadis werden von vielen Kunden akzeptiert. Eine anerkannte Bewertung spart wiederholte Einzelabfragen.

Insight 04

Die Sorgfaltspflicht ist ein Prozess

Ein einmaliges Lieferanten-Screening genügt nicht. Das Gesetz verlangt eine laufende, dokumentierte Routine.

Insight 05

Erst die Lieferantenbasis ordnen

Viele Projekte starten mit unsauberen Lieferantenstammdaten. Doppelte Einträge und falsche Adressen verzerren jede Auswertung. Eine bereinigte Basis ist die halbe Miete.

Insight 06

Den Rücklauf einplanen, nicht erhoffen

Lieferanten antworten nicht von allein. Wer Fristen, Erinnerungen und feste Ansprechpartner einplant, erreicht deutlich höhere Rücklaufquoten als wer nur Fragebögen verschickt.

Insight 07

Risiko endet nicht beim direkten Lieferanten

Die kritischen Themen liegen oft tiefer in der Kette. Eine Lösung, die auch Vorlieferanten sichtbar macht, zeigt Risiken, die ein reines Tier-1-Screening übersieht.

Insight 08

Maßnahmen statt nur Ampeln

Eine rote Ampel allein verbessert nichts. Erst die hinterlegten Abhilfemaßnahmen und ihre Verfolgung machen aus der Bewertung eine echte Sorgfaltspflicht.

Anbietervergleich

Die 4 Lieferketten-Anbieter im Vergleich

4 Anbieter aus dem Navigator haben ihren Schwerpunkt in Lieferketten-ESG und Sorgfaltspflicht. Die Übersicht ordnet sie nach Fokus und typischer Eignung.

AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
EcoVadisLieferanten-Scorecards und BewertungUnternehmen mit großem Lieferantennetz
osapiensLieferketten-Compliance und LkSGMittelstand bis Großunternehmen, DACH-Raum
IntegrityNextLieferantenüberwachungEinkaufsorganisationen
Ethixbase360Drittparteien-Due-DiligenceCompliance-Funktionen
Weitere etablierte Anbieter am Lieferketten-Markt
AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
PrewaveKI-gestützte Lieferkettenrisiken und LkSG-ÜberwachungMittelstand und Konzerne, DACH-Raum
SedexPlattform für ethische Lieferkettendaten und AuditsInternational tätige Unternehmen
SourcemapLieferkettentransparenz und RückverfolgbarkeitKonsumgüter und Rohstoffindustrie
AchillesLieferantenqualifizierung und NachhaltigkeitsdatenEnergie, Bau und Industrie
AvettaLieferanten-Compliance und QualifizierungUnternehmen mit vielen Dienstleistern
AssentLieferketten-Nachhaltigkeit und Produkt-ComplianceProduzierende Unternehmen
ExigerDrittparteienrisiken und Due DiligenceCompliance- und Risikofunktionen
ResilincLieferkettenrisiken und StörungsüberwachungGlobale Industrieunternehmen
WorldfavorLieferanten-Nachhaltigkeitsdaten, EuropaMittelstand und Konzerne

Die obere Gruppe umfasst die 4 Lieferketten-Anbieter aus dem ESG-Software-Navigator, die im KI-Matching von find-your-esg.de berücksichtigt werden. Die zweite Gruppe nennt weitere am Markt verbreitete Lösungen zur Orientierung.

Auswahl

Fünf Kriterien für die Auswahl

Diese fünf Kriterien helfen, im Lieferketten-Segment die passende Lösung zu finden.

01

Gesetzesabdeckung

Bildet die Software die für Sie relevanten Pflichten ab, etwa LkSG und die europäische CSDDD?

02

Lieferantenabdeckung

Wie viele Ihrer Lieferanten sind im System bereits bewertet oder erreichbar?

03

Aufwand für Lieferanten

Je einfacher die Datenabgabe für Zulieferer ist, desto höher die Rücklaufquote.

04

Risikodatenquellen

Welche Länder-, Branchen- und Sanktionsdaten bringt die Lösung mit?

05

Integration in den Einkauf

Lässt sich die Bewertung mit den bestehenden Einkaufs- und ERP-Systemen verbinden?

Anbieterporträts

Sechs Lieferketten-Lösungen im Porträt

Die Tabelle ordnet das Feld nach Schwerpunkt. Die folgenden Kurzporträts zeigen, wofür einzelne Lösungen besonders häufig gewählt werden, von der breiten Bewertungsplattform bis zur LkSG-Spezialsoftware.

Scorecards & Bewertung

EcoVadis

Bekannte Plattform für Nachhaltigkeitsbewertungen von Lieferanten, mit großer Abdeckung. Eine anerkannte Scorecard, die von vielen Großkunden akzeptiert wird und wiederholte Einzelabfragen erspart.

LkSG & Compliance

osapiens

Deutsche Plattform mit Schwerpunkt auf dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und ESG-Compliance. Passend für den Mittelstand und Konzerne im DACH-Raum.

Lieferantenüberwachung

IntegrityNext

Überwacht Lieferanten laufend auf Nachhaltigkeits- und Compliance-Kriterien. Geeignet für Einkaufsorganisationen, die ein großes Lieferantenportfolio im Blick behalten wollen.

Due Diligence

Ethixbase360

Due-Diligence-Plattform für Drittparteien und Lieferantenrisiken. Eine Option für Compliance-Funktionen mit Fokus auf Korruptions- und Integritätsrisiken.

Risiko-Monitoring

Prewave

Beobachtet Lieferkettenrisiken KI-gestützt aus öffentlichen Quellen, auch über die erste Lieferantenebene hinaus. Stark im DACH-Raum für die LkSG-Überwachung.

Ethische Lieferkettendaten

Sedex

Etablierte Plattform für ethische Lieferkettendaten, Self-Assessments und Audits. Passend für international tätige Unternehmen mit Audit-Anforderungen.

Auswahl in der Praxis

Praxis-Tipps für die Auswahl

Die Kriterien zeigen, worauf es ankommt. Diese Tipps zeigen, wie Sie im Auswahlprozess konkret vorgehen, damit aus der Sorgfaltspflicht eine belastbare Routine wird.

01

Die eigenen Pflichten klären

Prüfen Sie zuerst, ob Sie direkt unter LkSG oder CSDDD fallen oder als Lieferant Anforderungen von Großkunden erfüllen müssen. Daraus ergibt sich der nötige Funktionsumfang.

02

Die Lieferantenbasis vorab bereinigen

Eine Software ist nur so gut wie die Stammdaten, die hineinkommen. Doppelte und veraltete Lieferantendaten sollten vor dem Start bereinigt sein.

03

Auf den Rücklauf achten, nicht nur auf Funktionen

Fragen Sie, wie die Lösung Lieferanten anspricht, erinnert und unterstützt. Der Erfolg hängt vom Rücklauf der Fragebögen ab, nicht vom Funktionsumfang.

04

Risikobasiert statt flächendeckend prüfen

Wählen Sie eine Lösung, die nach Land, Branche und Volumen priorisiert. Jeden Lieferanten gleich tief zu prüfen, bindet Aufwand ohne zusätzlichen Schutz.

05

Maßnahmen und Nachverfolgung verlangen

Eine reine Bewertungsfunktion genügt nicht. Das Gesetz verlangt Abhilfemaßnahmen. Die Software sollte diese hinterlegen und ihre Wirkung verfolgen können.

06

Die Anbindung an das Reporting prüfen

Klären Sie, wie die Lieferkettendaten in den Nachhaltigkeitsbericht gelangen. Eine Schnittstelle zur Reporting-Software vermeidet doppelte Erfassung.

Fehler vermeiden

Typische Fehler bei der Auswahl

Lieferketten-Projekte scheitern selten an der Software, sondern an unrealistischen Annahmen über Daten und Rücklauf. Diese sechs Fehler sind besonders teuer.

01

Den Rücklauf für selbstverständlich halten

Lieferanten antworten nicht von allein. Wer keinen Plan für Ansprache und Erinnerung hat, bleibt auf leeren Fragebögen sitzen.

02

Alle Lieferanten gleich behandeln

Jeden Zulieferer gleich tief zu prüfen, verteilt den Aufwand falsch. Risiko gehört dorthin, wo Land und Branche es nahelegen.

03

Nur die erste Ebene betrachten

Viele Risiken liegen bei Vorlieferanten. Ein reines Tier-1-Screening erzeugt ein falsches Gefühl von Sicherheit.

04

Bewertung ohne Maßnahmen

Eine rote Ampel verbessert nichts. Ohne hinterlegte Abhilfemaßnahmen bleibt die Sorgfaltspflicht unerfüllt.

05

Die Stammdaten unterschätzen

Unsaubere Lieferantendaten verzerren jede Auswertung. Wer die Basis nicht ordnet, misst Fehler statt Risiken.

06

Insellösung ohne Reporting-Anbindung

Lieferkettendaten gehören in den ESG-Bericht. Ohne Schnittstelle entsteht doppelte Arbeit und ein Bruch in der Datenkette.

Auswahl starten

Vom Überblick zur passenden Lieferketten-Lösung

Die Übersicht zeigt das Feld. Welche der 4 Lösungen zu Ihrem Unternehmen passt, hängt von Lieferantenstruktur, Branche und gesetzlicher Betroffenheit ab.

Unser KI-Matching vergleicht Ihr Profil in wenigen Minuten mit dem Markt und schlägt die passenden Lieferketten-Lösungen vor.
Fragen und Antworten

Häufige Fragen zu Lieferketten-ESG-Software

Software, die Lieferanten auf Nachhaltigkeits- und Sorgfaltskriterien bewertet und überwacht. Sie unterstützt Unternehmen dabei, gesetzliche Sorgfaltspflichten zu erfüllen.
Vor allem für das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die europäische Richtlinie über die Sorgfaltspflicht von Unternehmen, die CSDDD.
Häufig ja. Verpflichtete Großkunden geben Anforderungen an ihre Zulieferer weiter. Wer als Lieferant belastbare Daten liefern kann, bleibt wettbewerbsfähig.
Ein ESG-Rating bewertet ein einzelnes Unternehmen von außen. Lieferketten-ESG-Software steuert die Bewertung und Überwachung des gesamten eigenen Lieferantenportfolios.
Über Self-Assessment-Fragebögen, hochgeladene Zertifikate und externe Bewertungen. Der Rücklauf hängt stark davon ab, wie einfach die Datenabgabe ist.
Die Kosten richten sich meist nach der Zahl der Lieferanten und der Tiefe der Prüfung. Sie bewegen sich vom mittleren vierstelligen bis in den fünfstelligen Jahresbereich.
Das deutsche LkSG gilt seit 2023 für größere Unternehmen in Deutschland. Die europäische CSDDD ist umfassender und gilt schrittweise EU-weit. Software, die beide Rahmen abbildet, ist zukunftssicherer.
Nicht alle gleich tief. Üblich ist eine risikobasierte Priorisierung: Land, Branche und Beschaffungsvolumen bestimmen, welche Lieferanten genauer geprüft werden.
Das Gesetz verlangt Abhilfe- und Präventionsmaßnahmen. Gute Software dokumentiert nicht nur das Risiko, sondern auch die ergriffenen Maßnahmen und deren Wirkung.
Nein. Die Sorgfaltspflicht ist eine laufende Routine mit regelmäßiger Überprüfung, anlassbezogenen Kontrollen und einer dokumentierten Wiederholung.
Die Ergebnisse aus der Lieferkette fließen in die Sozial- und Governance-Angaben des Nachhaltigkeitsberichts ein. Eine saubere Schnittstelle zur Reporting-Software vermeidet doppelte Arbeit.
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