Stand: August 2026

CO2-Bilanzierungssoftware: Scope 1, 2 und 3 im Vergleich

CO2-Bilanzierungssoftware erfasst, berechnet und dokumentiert die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens nach den drei Scopes des GHG Protocol, für die betriebliche CO2-Bilanz und für die Berichtspflicht unter der CSRD. Für mittelständische und große Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz entscheidet dabei nicht die Software als Ganzes, sondern die Frage, welches Werkzeug welchen der drei Scopes tatsächlich abdeckt, denn Scope 1, Scope 2 und Scope 3 stellen völlig unterschiedliche Anforderungen an Datenerfassung und Berechnungslogik.

Nach dem CDP Supply Chain Report 2024 liegen die Scope-3-Emissionen von Unternehmen im Schnitt 26-mal höher als ihre eigenen Scope-1- und Scope-2-Emissionen zusammen. Das ist der zentrale Grund, warum die Scope-3-Fähigkeit einer Software über den praktischen Nutzen entscheidet. Diese Seite ordnet die Softwarelandschaft deshalb nicht allgemein, sondern scope-genau, und zeigt, welche Funktion für Scope 1, welche für Scope 2 und welche für Scope 3 zählt, und welche Anbieter in welchem Scope stark sind.

26x
Scope-3-Emissionen im Schnitt höher als Scope 1 und 2 zusammen (CDP Supply Chain Report, 2024)
15
Scope-3-Kategorien nach dem GHG Protocol, acht vor- und sieben nachgelagert (WRI/WBCSD)
3
Scopes im GHG Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard (WRI/WBCSD, seit 2001)
2027
Erstes CSRD-Berichtsjahr mit Pflichtangabe zu Scope 1, 2 und 3 nach ESRS E1 für große Unternehmen
Scope 1 · Direkte Emissionen
Scope 2 · Eingekaufte Energie
Scope 3 · Wertschöpfungskette
GHG Protocol
CSRD ESRS E1
Einordnung

Warum scope-genau vergleichen statt pauschal Carbon-Accounting-Software

Das Greenhouse Gas Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard von WRI und WBCSD ist der international anerkannte Referenzrahmen für die drei Scopes. Er verlangt keine einzelne Software, sondern drei unterschiedliche Fähigkeiten in einem Werkzeug, weshalb ein pauschaler Anbietervergleich in der Praxis wenig aussagt.

Diese Seite unterscheidet sich bewusst von zwei verwandten Guides auf find-your-esg.de: Der Carbon-Accounting-Software-Überblick vergleicht Anbieter allgemein nach Funktionsumfang und Praxis-Insights, während der Leitfaden CO2-Bilanz erstellen die Methodik und die 15 Scope-3-Kategorien Schritt für Schritt erklärt, ohne Software zu bewerten. Diese Seite verbindet beides und ordnet jede Softwarefunktion einem der drei Scopes zu, inklusive einer Vergleichstabelle, die zeigt, welcher Anbieter welchen Scope nativ abdeckt und wo manuelle Arbeit oder Zusatzmodule nötig bleiben.

Ausgangspunkt

Drei Scopes, drei Datenwelten

Scope 1 kommt aus dem eigenen Fuhrpark und der eigenen Anlagentechnik, Scope 2 aus Energierechnungen, Scope 3 aus Hunderten Lieferanten und Produktlebenszyklen. Eine Software, die Scope 1 exzellent löst, kann bei Scope 3 trotzdem an ihre Grenzen stoßen.

Kein Tool kann alles gleich gut

Spezialisierung ist die Regel

ERP-nahe Plattformen sind bei Scope 1 und 2 stark, weil sie Verbrauchsdaten direkt aus Vorsystemen ziehen. Auf Lieferketten spezialisierte Anbieter sind dafür bei Scope 3 im Vorteil, weil sie Lieferantenportale und PCF-Austausch mitbringen.

Scope 3 als Nadelöhr

Der größte Hebel liegt vorn und hinten

Nach dem CDP Supply Chain Report 2024 liegen Scope-3-Emissionen im Schnitt 26-mal höher als die eigenen Scope-1- und Scope-2-Emissionen. Wer hier nur grob schätzt, kennt seinen tatsächlichen Fußabdruck kaum.

Anbietervergleich nach Scope

Welche CO2-Bilanzierungssoftware welchen Scope abdeckt

Zehn Anbieter von CO2-Bilanzierungssoftware im Vergleich, nicht nach Gesamtfunktionsumfang, sondern danach, wie nativ sie Scope 1, Scope 2 und Scope 3 tatsächlich abdecken. "Nativ" bedeutet automatisierte Erfassung und Berechnung, "teilweise" bedeutet manuelle Ergänzung oder ein Zusatzmodul ist nötig.

Anbieter Scope 1
Verbrauch / ERP
Scope 2
Location- / market-based
Scope 3
Lieferkette / PCF
Besonderheit
CozeroDACH · Mittelstand
✓ Nativ ✓ Nativ ◐ Teilweise CO2-Bilanz und Dekarbonisierungssteuerung in einer Cloud-Plattform, deutschsprachige Begleitung.
EmitwiseIndustrie · Lieferkette
◐ Teilweise ✓ Nativ ✓ Nativ Kernstärke liegt im Lieferanten-PCF-Austausch für produzierende Unternehmen.
GreenlyKMU · Einstieg
✓ Nativ ◐ Teilweise ◐ Teilweise Geführter Einstieg über Kontoanbindung, Scope 3 vorrangig ausgabenbasiert.
Microsoft Sustainability ManagerMicrosoft-Ökosystem
✓ Nativ ✓ Nativ ◐ Teilweise Native Anbindung an Dynamics 365 und Azure, Scope-3-Tiefe meist über Partner-Apps.
NormativeWissenschaftsbasiert
✓ Nativ ✓ Nativ ✓ Nativ Breite Abdeckung aller 15 Scope-3-Kategorien mit wissenschaftsbasierten Faktoren.
PersefoniEnterprise · Finanzsektor
✓ Nativ ✓ Nativ ◐ Teilweise Prüffähige, auditierbare Bilanz, Scope-3-Qualität hängt von Lieferanteneingaben ab.
Plan ABilanz + Dekarbonisierung
✓ Nativ ✓ Nativ ◐ Teilweise Verbindet Bilanzierung mit Reduktionsplanung und CSRD-Exportfunktionen.
SweepCarbon + ESG
✓ Nativ ✓ Nativ ◐ Teilweise Bündelt Carbon Accounting mit weiteren ESG-Daten, Lieferantenportal als Baustein.
TansoIndustrie · CSRD
✓ Nativ ✓ Nativ ◐ Teilweise Fokus auf Produktionsdaten der Industrie, CSRD-Reporting direkt integriert.
WatershedEnterprise · Konzerne
✓ Nativ ✓ Nativ ✓ Nativ Schwerpunkt auf Lieferanteneinbindung und Primärdaten-Kampagnen für Konzerne.
Alphabetische Auswahl, keine Empfehlung und kein Ranking. Empfehlungen entstehen ausschließlich über das neutrale Matching. Die Einordnung je Scope basiert auf öffentlich zugänglichen Produktbeschreibungen der Anbieter (redaktionelle Erhebung, Stand August 2026) sowie einer Markteinschätzung aus Referenzprojekten und ersetzt keine individuelle Anbieterprüfung.
Vertiefung

Drei Lösungen mit unterschiedlichem Scope-Schwerpunkt

Statt einer allgemeinen Bestenliste zeigen diese drei Kurzporträts, wie unterschiedlich Anbieter ihre Stärke setzen, je nachdem, ob der Engpass bei Scope 1, Scope 2 oder Scope 3 liegt.

Scope-3-Schwerpunkt

Watershed

Enterprise-Cloud-Plattform für Klimabilanzierung, deren Werkzeuge für Lieferanteneinbindung und Primärdaten-Kampagnen gezielt auf die schwächste Stelle der meisten Bilanzen zielen, die Datenqualität in Scope 3. Passend für Konzerne mit komplexen, internationalen Lieferketten.

Alle drei Scopes ausgewogen

Normative

Wissenschaftsbasierte Berechnung mit breiter Abdeckung aller 15 Scope-3-Kategorien, ohne dabei Scope 1 und 2 zu vernachlässigen. Eine Option, wenn keine der drei Scope-Anforderungen von vornherein zurückstehen soll.

Scope-1/2-Schwerpunkt über ERP

Microsoft Sustainability Manager

Emissionsmodul innerhalb der Microsoft Cloud mit nativer Anbindung an Dynamics 365 und Azure, dadurch besonders stark bei automatisierten Scope-1- und Scope-2-Daten aus bestehenden Microsoft-Systemen. Scope-3-Tiefe entsteht meist über zusätzliche Partner-Apps im Ökosystem.

Funktionsanforderungen je Scope

Welche Funktion für welchen Scope zählt

Statt eines allgemeinen Funktionskatalogs zeigt dieser Abschnitt, welche Softwarefunktion für welchen Scope tatsächlich den Unterschied macht. Das ist der Kern dieser Seite und der Grund, warum ein Anbietervergleich ohne diese Zuordnung wenig aussagt.

Scope 1 · Direkte Emissionen aus eigenen Quellen

Firmenfahrzeuge, eigene Heizungsanlagen und Verbrennungsprozesse. Software muss hier vor allem Verbrauchsdaten zuverlässig einsammeln und mit Vorsystemen sprechen.

Funktion 01

Verbrauchsdatenerfassung

Erfassung von Kraftstoff-, Gas- und Heizölverbräuchen aus Fuhrpark, Heizungsanlagen und Produktionsprozessen, per manueller Eingabe, Rechnungsimport oder Sensorik.

Funktion 02

ERP-Schnittstellen

Anbindung an SAP, Microsoft Dynamics oder vergleichbare Systeme, damit Verbrauchsdaten aus Fuhrparkmanagement und Anlagensteuerung nicht doppelt erfasst werden müssen.

Funktion 03

Emissionsfaktoren für Brennstoffe

Hinterlegte, gepflegte Faktoren für Diesel, Erdgas, Heizöl und Kältemittel, die Verbrauchsmengen automatisch in CO2-Äquivalente umrechnen.

Scope 2 · Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie

Strom, Fernwärme, Dampf und Kälte. Software muss hier zwei parallele Berechnungsmethoden beherrschen und Energieversorgerdaten sauber importieren.

Funktion 01

Location-based vs. market-based

Parallele Berechnung nach beiden von der GHG Protocol Scope 2 Guidance (2015) geforderten Methoden, damit Ökostromverträge korrekt abgebildet werden können.

Funktion 02

Energieversorger-Datenimport

Schnittstellen oder Uploadwege für Stromrechnungen, Herkunftsnachweise und Ökostromverträge, statt manueller Übertragung aus Papierrechnungen.

Funktion 03

Emissionsfaktoren-Datenbank Strommix

Regional aktualisierte Netzstrommix-Faktoren je Land, da sich diese jährlich ändern und veraltete Faktoren stille Fehler erzeugen.

Scope 3 · Vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette

Alle 15 GHG-Protocol-Kategorien, von eingekauften Gütern bis zur Entsorgung verkaufter Produkte. Der mit Abstand anspruchsvollste Scope, weil Daten außerhalb des eigenen Unternehmens liegen.

Funktion 01

Lieferantendatenerfassung / PCF-Austausch

Portale oder Schnittstellen, über die Lieferanten produktspezifische Product Carbon Footprints übermitteln können, statt pauschaler Branchenschätzung.

Funktion 02

Schätzverfahren: spend-based vs. supplier-specific

Ausgabenbasierte Branchenfaktoren für den schnellen Einstieg, ersetzbar durch lieferantenspezifische Primärdaten für die größten Emissionspositionen.

Funktion 03

Anbindung an Lieferketten-Tools

Integration mit Supply-Chain- und Beschaffungssystemen, damit Kategorie 1, eingekaufte Güter und Dienstleistungen, belastbar abgebildet wird. Mehr dazu in der Übersicht zu Lieferketten-ESG-Software.

Regulatorischer Rahmen

Der regulatorische Rahmen hinter Scope 1, 2 und 3

Die Scope-Einteilung ist kein Software-Konstrukt, sondern folgt einem festen methodischen und regulatorischen Unterbau, der sich in den vergangenen Jahren um verbindliche EU-Berichtspflichten erweitert hat.

Referenzstandard

GHG Protocol Corporate Standard

Der Corporate Accounting and Reporting Standard von WRI und WBCSD definiert die drei Scopes, die 15 Scope-3-Kategorien und die Berechnungsregeln. Er ist die methodische Grundlage, auf der auch die europäischen Berichtsstandards aufbauen.

Berichtspflicht EU

CSRD und ESRS E1

Der Standard ESRS E1 verlangt von berichtspflichtigen Unternehmen die Offenlegung von Scope-1-, Scope-2- und materiellen Scope-3-Emissionen, in Deutschland ab dem Berichtsjahr 2027 für große Unternehmen. Die zugrunde liegenden ESG-Kennzahlen fasst die Übersicht ESG-Kennzahlen und KPIs zusammen.

Wesentlichkeit

Doppelte Materialität

Welche Scope-3-Kategorien wirklich wesentlich sind, klärt die Wesentlichkeitsanalyse nach doppelter Materialität. Sie entscheidet, wo die Software in die Tiefe gehen muss und wo eine grobe Schätzung ausreicht.

Kapitalmarkt

EU-Taxonomie

Taxonomiefähige und taxonomiekonforme Umsätze benötigen belastbare Emissionsdaten aus der Scope-1-3-Bilanz als Berechnungsgrundlage. Wie Software diese Prüfung unterstützt, zeigt die Seite EU-Taxonomie-Software.

Scope 2 Methodik

GHG Protocol Scope 2 Guidance

Seit 2015 verlangt die Scope 2 Guidance des GHG Protocol die parallele Ausweisung von location-based und market-based Werten für Unternehmen mit vertraglichen Energieinstrumenten wie Ökostromverträgen.

Prüfpfad

Nachvollziehbarkeit als Pflicht

Für eine CSRD-Prüfung muss jede Zahl auf Methode, Emissionsfaktor und Quelle rückführbar sein. Software ohne dokumentierten Berechnungsweg erschwert die spätere Prüfung, unabhängig davon, wie gut die Zahl selbst aussieht.

Vorgehen

In sechs Schritten zur Scope-1-3-Bilanz mit Software

Der Aufbau einer softwaregestützten Emissionsbilanz folgt einer festen Reihenfolge, die Scope 1 und Scope 2 zuerst absichert, bevor Scope 3 in die Tiefe geht.

01

Systemgrenze und Basisjahr festlegen

Bestimmen Sie, welche Standorte, Gesellschaften und welcher Zeitraum in die Bilanz einfließen, und legen Sie ein Basisjahr als festen Vergleichspunkt für alle drei Scopes fest.

02

Scope 1 erfassen

Verbrauchsdaten aus Fuhrpark, Heizungsanlagen und Prozessemissionen in die Software laden oder per ERP-Schnittstelle anbinden, damit direkte Emissionen automatisiert erfasst werden.

03

Scope 2 berechnen

Energieversorger-Daten importieren und die Software parallel nach location-based und market-based Methode rechnen lassen, wie es die GHG Protocol Scope 2 Guidance vorsieht.

04

Scope-3-Kategorien priorisieren

Alle 15 Scope-3-Kategorien auf Wesentlichkeit prüfen und bei den relevanten Kategorien mit einer ausgabenbasierten spend-based Schätzung starten.

05

Lieferantendaten verbessern

Product-Carbon-Footprint-Daten der größten Emissionsquellen bei Lieferanten anfordern und grobe Schätzungen schrittweise durch supplier-specific Primärdaten ersetzen.

06

Konsolidieren und Maßnahmen ableiten

Alle drei Scopes zu einer dokumentierten Gesamtbilanz konsolidieren, Reduktionsziele festlegen und den Fortschritt Jahr für Jahr über die Software verfolgen.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen zu CO2-Bilanzierungssoftware

Zehn Fragen, die bei der Auswahl von CO2-Bilanzierungssoftware für Scope 1, 2 und 3 am häufigsten aufkommen.

Was ist der Unterschied zwischen CO2-Bilanzierungssoftware für Scope 1, 2 und 3?

CO2-Bilanzierungssoftware für Scope 1 erfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen wie Firmenfahrzeugen oder Heizanlagen, meist über Verbrauchsdaten und ERP-Schnittstellen. Für Scope 2 berechnet sie die Emissionen aus eingekaufter Energie nach der location-based und der market-based Methode und benötigt dafür Daten der Energieversorger. Für Scope 3 muss sie die 15 Kategorien der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette abdecken, was Lieferantendaten, Product Carbon Footprints und Schätzverfahren wie spend-based oder supplier-specific Berechnungen erfordert. Nur wenige Anbieter decken alle drei Scopes gleich gut ab, weshalb ein Vergleich pro Scope sinnvoller ist als ein pauschaler Anbietervergleich.

Welche Software eignet sich für Scope 3, wenn Lieferantendaten fehlen?

Fehlen Lieferantendaten, starten die meisten CO2-Bilanzierungstools mit einer ausgabenbasierten Schätzung, bei der Einkaufsvolumen mit Branchenfaktoren multipliziert wird. Plattformen wie Watershed, Normative oder Emitwise bieten zusätzlich Lieferantenportale, über die sich Product Carbon Footprints direkt von Lieferanten anfordern lassen. Der übliche Weg ist, mit der groben Schätzung zu starten und die größten Emissionspositionen schrittweise durch lieferantenspezifische Primärdaten zu ersetzen. Wichtig ist, dass die Software dokumentiert, welche Berechnungsmethode je Position verwendet wurde.

Was bedeutet location-based und market-based bei Scope 2?

Location-based bewertet den Strombezug mit dem durchschnittlichen Emissionsfaktor des regionalen Stromnetzes, unabhängig davon, welchen Stromvertrag ein Unternehmen abgeschlossen hat. Market-based berücksichtigt dagegen die tatsächlich eingekauften Energieprodukte, etwa zertifizierten Ökostrom oder Herkunftsnachweise, und kann dadurch deutlich niedrigere Werte ergeben. Die GHG Protocol Scope 2 Guidance von 2015 verlangt von Unternehmen mit Marktinstrumenten die parallele Ausweisung beider Werte. Gute CO2-Bilanzierungssoftware berechnet und dokumentiert deshalb automatisch beide Methoden nebeneinander.

Muss eine CO2-Bilanzierungssoftware alle 15 Scope-3-Kategorien abdecken?

Nein, entscheidend ist, dass die Software die für das jeweilige Unternehmen wesentlichen Kategorien abbildet, nicht zwingend alle 15. Ein Hersteller hat typischerweise seinen Schwerpunkt bei eingekauften Gütern und der Nutzung verkaufter Produkte, während ein Dienstleister eher bei Geschäftsreisen und Pendeln der Mitarbeitenden liegt. Eine Wesentlichkeitsprüfung, wie sie auch die doppelte Materialitätsanalyse vorsieht, hilft, die relevanten Kategorien vorab einzugrenzen. Software, die alle 15 Kategorien zumindest grob anbietet und die wesentlichen davon detailliert berechnet, deckt die Praxisanforderung ab.

Wie hängt CO2-Bilanzierungssoftware mit der CSRD-Berichtspflicht zusammen?

Die CSRD verlangt über den Standard ESRS E1, dass berichtspflichtige Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen nach Scope 1, 2 und den materiellen Scope-3-Kategorien offenlegen, in Deutschland ab dem Berichtsjahr 2027 für große Unternehmen. CO2-Bilanzierungssoftware liefert die zugrunde liegenden Emissionszahlen, ersetzt aber nicht den vollständigen Nachhaltigkeitsbericht mit sozialen und Governance-Angaben. Für die CSRD-Prüfung ist wichtig, dass die Software Berechnungen und Emissionsfaktoren nachvollziehbar dokumentiert, da Prüfer diesen Pfad nachvollziehen müssen. Welche ESG-Kennzahlen dabei zusätzlich relevant werden, zeigt die Übersicht ESG-Kennzahlen und KPIs.

Reicht eine ERP-Schnittstelle für Scope 1 aus oder braucht man zusätzliche Software?

Eine ERP-Schnittstelle deckt in der Regel die strukturierten Verbrauchsdaten ab, etwa Kraftstoffmengen aus dem Fuhrparkmanagement oder Energieverbräuche aus der Anlagensteuerung. Nicht immer liegen jedoch alle Scope-1-relevanten Daten strukturiert im ERP vor, etwa Kältemittelverluste oder Verbräuche kleinerer Standorte ohne ERP-Anbindung. Eine dedizierte CO2-Bilanzierungssoftware ergänzt die ERP-Daten um manuelle Erfassungswege und um aktuelle, gepflegte Emissionsfaktoren für Brennstoffe und Kältemittel. In der Praxis ist die Kombination aus ERP-Schnittstelle für Massendaten und Software für Restpositionen der übliche Weg.

Was kostet CO2-Bilanzierungssoftware, die alle drei Scopes abdeckt?

Schlanke Einstiegslösungen für kleine und mittlere Unternehmen beginnen im niedrigen vierstelligen Bereich pro Jahr, während umfassende Enterprise-Plattformen mit tiefer Scope-3-Abdeckung deutlich höher liegen (Markteinschätzung aus Referenzprojekten, Stand 2026). Der Preis hängt stark davon ab, wie viele Standorte, Gesellschaften und Scope-3-Kategorien abgebildet werden müssen und ob ein Lieferantenportal für Primärdaten enthalten ist. Eine genaue Kalkulation nach Unternehmensgröße und typischen Kostenblöcken bietet die Übersicht zu ESG-Software-Kosten. Zusätzlich zur Lizenz fallen häufig einmalige Kosten für die Ersteinrichtung und die Anbindung an ERP- oder Energiesysteme an.

Wie unterscheidet sich CO2-Bilanzierungssoftware von allgemeiner ESG-Reporting-Software?

CO2-Bilanzierungssoftware ist auf die Berechnung von Treibhausgasemissionen nach Scope 1, 2 und 3 spezialisiert und bildet damit einen Teilbereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung ab. Allgemeine ESG-Reporting-Software deckt zusätzlich soziale Kennzahlen, Governance-Angaben und den vollständigen CSRD-Bericht nach allen ESRS-Standards ab. In der Praxis liefert die Carbon-Bilanzierung oft die Datengrundlage, die anschließend in ein umfassenderes Reporting-Tool einfließt. Welche Software diesen breiteren Berichtsumfang abdeckt, zeigt die Übersicht zu ESG-Reporting-Software.

Was ist ein Product Carbon Footprint (PCF) und warum ist er für Scope 3 wichtig?

Ein Product Carbon Footprint ist die Summe der Treibhausgasemissionen, die bei Herstellung, Transport und teilweise Nutzung eines einzelnen Produkts entstehen, ausgedrückt in CO2-Äquivalenten. Für die Scope-3-Kategorie eingekaufte Güter und Dienstleistungen liefert ein von Lieferanten bereitgestellter PCF deutlich genauere Werte als eine ausgabenbasierte Branchenschätzung. Der Austausch von PCF-Daten läuft meist über standardisierte Formate oder Lieferantenportale, die moderne CO2-Bilanzierungssoftware bereitstellt. Je mehr Lieferanten belastbare PCF-Werte liefern, desto genauer und desto weniger schätzungsbasiert wird die eigene Scope-3-Bilanz.

Welche Rolle spielt die EU-Taxonomie bei der Scope-1-3-Bilanzierung?

Die EU-Taxonomie prüft, ob wirtschaftliche Aktivitäten eines Unternehmens ökologisch nachhaltig sind, und verlangt dafür unter anderem belastbare Emissionsdaten als Berechnungsgrundlage für taxonomiefähige und taxonomiekonforme Umsätze. Ohne eine funktionierende Scope-1-3-Bilanz lassen sich die für die Taxonomie-Prüfung nötigen Klimakennzahlen kaum ermitteln. Viele Unternehmen nutzen deshalb dieselbe CO2-Bilanzierungssoftware als Datenquelle für beide Anforderungen, um Doppelarbeit zu vermeiden. Wie Software speziell für die EU-Taxonomie-Prüfung unterstützt, erklärt die Seite EU-Taxonomie-Software.

Methodik & Quellen

Methodik und Quellen

So sind die Zahlen und Einordnungen auf dieser Seite entstanden, und wo Sie die Primärquellen finden.

Die Scope-Definitionen und die 15 Scope-3-Kategorien folgen dem GHG Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard von WRI und WBCSD. Die Zuordnung, welcher Anbieter welchen Scope nativ, teilweise oder gar nicht abdeckt, basiert auf einer redaktionellen Auswertung öffentlicher Produktseiten und Dokumentationen der Anbieter (Stand: August 2026) sowie einer Markteinschätzung aus Referenzprojekten. Alle Preisangaben sind, wo keine öffentliche Preisliste vorliegt, ausdrücklich als Markteinschätzung gekennzeichnet und ersetzen kein individuelles Angebot.

Nächster Schritt

Die passende CO2-Bilanzierungssoftware finden

Sie kennen jetzt, welche Funktion für Scope 1, welche für Scope 2 und welche für Scope 3 zählt. Welcher der zehn Anbieter zu Ihrem Unternehmen passt, hängt von Branche, Datenlage und dem tatsächlichen Schwerpunkt Ihrer Emissionen ab. Unser KI-Matching vergleicht Ihr Profil in wenigen Minuten mit dem Markt.