ESG-Software und EHS-Software werden im deutschen Mittelstand häufig verwechselt, obwohl es sich um zwei unterschiedliche Software-Kategorien handelt. ESG-Software bündelt Daten für die externe Berichterstattung an Investoren, Regulatoren und Kunden, insbesondere für CSRD, ESRS und die CO2-Bilanz nach doppelter Materialität. EHS-Software steuert dagegen die operativen internen Prozesse für Arbeitssicherheit, Störfallmanagement, Gefahrstoffmanagement und Arbeitsunfälle direkt am Produktionsstandort. Für produzierende Unternehmen und Industriebetriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ordnet dieser Leitfaden beide Kategorien ein und zeigt, wo sie getrennt bleiben und wo sie sich überschneiden. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission (2023) fallen EU-weit rund 50.000 Unternehmen unter die CSRD-Berichtspflicht, während laut DGUV-Statistik (2022) parallel rund 780.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle jährlich in Deutschland erfasst werden, für deren operative Steuerung EHS-Software zuständig ist.
"Nur eine Minderheit der 13 im ESG-Software-Navigator gelisteten dedizierten EHS-Anbieter deckt zugleich CSRD-taugliches Reporting ab."
ESG-Software und EHS-Software lösen unterschiedliche Aufgaben, auch wenn beide Begriffe im Alltag oft synonym verwendet werden. Der Unterschied liegt vor allem im Adressat der Daten, extern bei ESG-Software und intern bei EHS-Software.
ESG-Software sammelt und konsolidiert Nachhaltigkeitsdaten für die Berichterstattung an Investoren, Regulatoren und Kunden. Im Zentrum stehen die CSRD-Berichtspflicht, die ESRS-Datenpunkte, die CO2-Bilanz und die doppelte Wesentlichkeitsanalyse.
EHS-Software steuert Environment, Health und Safety im Tagesgeschäft. Sie verwaltet Arbeitssicherheit, Störfallmanagement, Gefahrstoffmanagement und die Dokumentation von Arbeitsunfällen direkt am Standort.
Einen vollständigen Überblick über Funktionen, Anbieter und Auswahlkriterien der operativen Seite liefert unser EHS-Software-Guide. Die Grundlagen der externen Berichtsseite erklärt der Beitrag Was ist ESG-Software?
Die folgende Übersicht stellt beide Kategorien entlang von sieben Dimensionen gegenüber. Sie ersetzt keine Einzelprüfung, zeigt aber, wo die Systeme grundsätzlich unterschiedlich ticken. Vertiefende Kennzahlen-Definitionen liefert unser Beitrag zu ESG-Kennzahlen und KPIs.
| Dimension | ESG-Software | EHS-Software |
|---|---|---|
| Zielgruppe / Adressat | Investoren, Regulatoren, Kunden, Kapitalmarkt | Sicherheitsfachkraft, Betriebsleitung, Betriebsrat |
| Datentiefe | Aggregierte Kennzahlen für den Jahresbericht | Granulare Einzelvorfälle und Tagesdaten |
| Typische Datenpunkte | ESRS-Datenpunkte, CO2-Bilanz, Wesentlichkeitsmatrix | Gefährdungsbeurteilungen, Störfallmeldungen, Gefahrstoffregister |
| Typische Nutzer im Unternehmen | Nachhaltigkeitsmanager, Finance, Investor Relations | Sifa, Umweltbeauftragte, Werk- und Anlagenleitung |
| Regulatorischer Anker | CSRD, ESRS, EU-Taxonomie | Arbeitsschutzgesetz, Störfall-Verordnung, GefStoffV |
| Erfassungsrhythmus | Periodisch, meist jährlich | Laufend, häufig in Echtzeit |
| Typischer Output | Nachhaltigkeitsbericht nach ESRS-Format | Maßnahmenpläne, Audit-Protokolle, Behördenmeldungen |
Quellen: Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 zu den ESRS, Richtlinie (EU) 2022/2464 (CSRD), Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), 12. BImSchV (Störfall-Verordnung). Vollständige Quellenliste im Methodik-Abschnitt dieser Seite.
Die folgenden Anbieter stehen exemplarisch für beide Kategorien. Alphabetische Auswahl, keine Empfehlung und kein Ranking. Empfehlungen entstehen ausschließlich über das neutrale Matching.
| ESG-Software-Anbieter | Schwerpunkt | Quelle |
|---|---|---|
| Daato | CSRD-Reporting, Wesentlichkeitsanalyse und Kennzahlen für den Mittelstand im DACH-Raum | Anbieter-Website, 2026 |
| Envoria | CSRD- und ESRS-Berichterstattung mit deutschsprachiger Oberfläche für den Mittelstand | Anbieter-Website, 2026 |
| IBM Envizi | ESG-Datenkonsolidierung und Reporting für mittlere bis große Unternehmen | Anbieter-Website, 2026 |
| Workiva | Berichtsprozess, Kontrollen und Audit-Trail für regulierte, größere Unternehmen | Anbieter-Website, 2026 |
| EHS-Software-Anbieter | Schwerpunkt | Quelle |
|---|---|---|
| Cority | EHS-Plattform mit eigenem Modul für Nachhaltigkeitsdaten, mittlere bis große Unternehmen | Anbieter-Website, 2026 |
| Intelex | Verbindet Umwelt, Arbeitsschutz und Qualitätsmanagement für Industrie und Mittelstand | Anbieter-Website, 2026 |
| Quentic | EHS- und Nachhaltigkeitssoftware mit Fokus auf Mittelstand und Konzerne im DACH-Raum | Anbieter-Website, 2026 |
| SAP EHS | EHS- und Sustainability-Funktionen im ERP-Verbund, vor allem für bestehende SAP-Anwender | Anbieter-Website, 2026 |
| Sphera | Verbindet EHS mit Ökobilanzen und Lieferkettenrisiko für Industrie und Großunternehmen | Anbieter-Website, 2026 |
| VelocityEHS | Arbeitssicherheit und Umwelt-Compliance für mittlere bis große Betriebe | Anbieter-Website, 2026 |
Die vollständige Anbieterliste mit 13 EHS-Anbietern finden Sie im EHS-Software-Guide. Einen breiteren ESG-Software-Vergleich für den Mittelstand liefert die Seite ESG-Software Vergleich Mittelstand.
Die größte praktische Überschneidung liegt nicht im Marketing, sondern in einem einzigen Datenpunkt: ESRS S1-14 verlangt von CSRD-pflichtigen Unternehmen die Offenlegung von Arbeitsunfallzahlen und Sicherheitsvorfällen der eigenen Belegschaft (Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772, 2023). Genau diese Zahlen liegen in den meisten Betrieben bereits in der EHS-Software vor, oft Jahre bevor die erste CSRD-Berichtspflicht greift.
Der ESRS-Datenpunkt S1-14 fordert Zahl und Rate der meldepflichtigen Arbeitsunfälle sowie die Zahl der Todesfälle der eigenen Belegschaft. EHS-Software erfasst diese Vorfälle im Tagesgeschäft über Meldeformulare und Untersuchungsprotokolle, lange bevor daraus ein Berichtswert wird.
Cority, Sphera, SAP und Quentic haben ihre EHS-Kernfunktionen um Nachhaltigkeitsmodule ergänzt und liefern Vorfalls- und Umweltdaten direkt in Reporting-nahe Auswertungen. Für die meisten Anbieter im ESG-Software-Navigator bleibt die Trennung aber bestehen.
Ohne Schnittstelle werden Unfallzahlen häufig ein zweites Mal von Hand in die ESG-Software übertragen. Ein strukturierter Export aus dem EHS-System senkt Fehlerquote und Aufwand und ist bei der nächsten Anbieterauswahl ein zentrales Prüfkriterium.
Besonders für Fertigungsunternehmen mit mehreren Produktionsstandorten ist diese Schnittmenge relevant, siehe unseren Leitfaden zu ESG-Software für Fertigungsunternehmen. Welche konkreten Workforce-Kennzahlen dabei zählen, erklärt der Beitrag ESG-Kennzahlen und KPIs.
Der folgende sechsstufige Prozess führt vom Unternehmensprofil zu einer klaren Empfehlung. Er ersetzt keine individuelle Beratung, gibt aber eine belastbare erste Einordnung.
Mitarbeiterzahl, Umsatz und Bilanzsumme klären, um zu prüfen, ob eine CSRD-Berichtspflicht nach den EU-Schwellenwerten überhaupt greift.
Prüfen, ob produzierende Standorte, Anlagen oder Gefahrstoffe vorhanden sind. Diese lösen unabhängig von der CSRD einen EHS-Bedarf nach dem Arbeitsschutzgesetz aus.
Feststellen, ob CSRD und ESRS im Vordergrund stehen, ob Arbeitsschutzgesetz und Störfall-Verordnung dominieren oder ob beide Treiber gleichzeitig gelten.
Klären, ob bereits ein EHS- oder ESG-System im Einsatz ist und ob es Schnittstellen für einen strukturierten Datenexport bietet.
Abgleichen, welche ESRS-S1-Datenpunkte zu Arbeitsunfällen und Sicherheitsvorfällen bereits im EHS-System vorliegen und für das Reporting wiederverwendet werden können.
Auf Basis der Schritte 1 bis 5 entscheiden zwischen reiner ESG-Software, reiner EHS-Software oder einer verbundenen beziehungsweise integrierten Lösung.
Passt für CSRD-pflichtige Dienstleister ohne eigene Produktionsstandorte und ohne nennenswertes Arbeitsschutzrisiko, etwa in Beratung, Finanzdienstleistung oder Handel.
Passt für produzierende Betriebe mit Arbeitsschutz- oder Störfallrisiko, die aktuell nicht CSRD-pflichtig sind, aber gesetzliche Meldepflichten im Arbeitsschutz erfüllen müssen.
Passt für CSRD-pflichtige Industrieunternehmen mit mehreren Standorten, bei denen ESRS S1 direkt auf vorhandene EHS-Daten zugreifen sollte.
Für das Anbieter-Shortlisting nach der Einordnung hilft unser ESG-Software Vergleich Mittelstand.
Antworten auf die Fragen, die bei der Abgrenzung beider Kategorien am häufigsten auftauchen.
ESG-Software bündelt Daten für die externe Berichterstattung an Investoren, Regulatoren und Kunden, vor allem für CSRD, ESRS und die CO2-Bilanz. EHS-Software steuert dagegen interne operative Prozesse wie Arbeitssicherheit, Störfallmanagement und Gefahrstoffmanagement direkt am Standort. Der Adressat ist damit der zentrale Unterschied, extern bei ESG-Software und intern bei EHS-Software. Beide Kategorien können dieselben Rohdaten nutzen, etwa Arbeitsunfallzahlen, verfolgen damit aber unterschiedliche Zwecke.
Das hängt von Branche, Standortstruktur und Berichtspflicht ab. Ein CSRD-pflichtiger Industriebetrieb mit mehreren Produktionsstandorten benötigt in der Regel beides, da EHS-Software die operativen Sicherheitsdaten liefert und ESG-Software daraus den Bericht formt. Ein reiner Dienstleister ohne Produktionsstandorte kommt oft mit ESG-Software allein aus, während ein nicht CSRD-pflichtiger Produktionsbetrieb zunächst nur EHS-Software braucht. Der Entscheidungsprozess auf dieser Seite führt Schritt für Schritt zur passenden Kombination.
Der wichtigste Berührungspunkt ist ESRS S1-14, der Datenpunkt zu Gesundheit und Sicherheit der eigenen Belegschaft nach der Delegierten Verordnung (EU) 2023/2772. Berichtspflichtige Unternehmen müssen dort die Zahl und Rate der meldepflichtigen Arbeitsunfälle sowie die Zahl der Todesfälle offenlegen. Genau diese Zahlen erfasst eine EHS-Software im Tagesgeschäft ohnehin über Vorfallsprotokolle. Ohne EHS-System müssten Unternehmen diese Daten manuell aus Papierprotokollen oder Einzelmeldungen zusammentragen.
Technisch ja, wenn beide Systeme über eine Schnittstelle verbunden sind oder ein Anbieter beide Bereiche abdeckt. Ohne Anbindung müssen Unfallzahlen, Gefährdungsbeurteilungen und Schulungsnachweise manuell aus dem EHS-System in die ESG-Software übertragen werden, was Fehler und Doppelarbeit begünstigt. Vor der CSRD-Einführung lohnt sich daher eine Prüfung, ob das bestehende EHS-System einen strukturierten Datenexport für ESRS S1 anbietet. Fehlt diese Möglichkeit, ist eine integrierte Suite oder eine dedizierte Schnittstelle oft die wirtschaftlichere Lösung.
Einige EHS-Anbieter haben eigene Nachhaltigkeitsmodule ergänzt, etwa Cority mit einem Nachhaltigkeitsmodul, Sphera mit Ökobilanz- und Lieferkettenfunktionen, SAP mit EHS- und Sustainability-Funktionen im ERP-Verbund sowie Quentic mit EHS- und Nachhaltigkeitssoftware für den DACH-Raum. Diese Anbieter sind aber Ausnahmen, die meisten Anbieter im ESG-Software-Navigator sind entweder auf EHS oder auf Reporting spezialisiert. Welcher Ansatz passt, hängt von der vorhandenen Systemlandschaft und dem Integrationsaufwand ab.
Nein. EHS-Software liefert wichtige operative Daten, etwa zu Arbeitsunfällen und Gefahrstoffen, deckt aber nicht die vollständige Bandbreite der CSRD-Anforderungen ab, zu denen auch Governance-, Klima- und Lieferkettendaten gehören. Für einen vollständigen CSRD-Bericht nach ESRS ist zusätzlich ESG-Reporting-Software oder ein vergleichbarer Berichtsprozess nötig. EHS-Software ist damit eine wichtige Datenquelle, aber kein Ersatz für die Berichtssoftware selbst.
Produzierende Betriebe, Industrieunternehmen und Betriebe mit Gefahrstoffen oder Störfallpotenzial benötigen EHS-Software meist unabhängig von einer CSRD-Pflicht, weil das Arbeitsschutzgesetz und die Störfall-Verordnung eigenständige Anforderungen stellen. Ein kleiner Dienstleister ohne Produktionsstandort und ohne CSRD-Pflicht hat dagegen oft keinen unmittelbaren EHS-Bedarf. Sobald mehrere Standorte, Maschinen oder Gefahrstoffe im Spiel sind, steigt der Nutzen von EHS-Software unabhängig von der externen Berichterstattung.
ESG-Software wird vor allem von Nachhaltigkeitsmanagern, dem Finanzbereich und Investor-Relations-Teams genutzt, die den jährlichen Bericht verantworten. EHS-Software wird dagegen täglich von Sicherheitsfachkräften, Betriebsleitern und Umweltbeauftragten am Standort bedient. Diese unterschiedlichen Nutzergruppen erklären auch die unterschiedliche Erfassungslogik, periodisch und aggregiert bei ESG-Software, laufend und granular bei EHS-Software. Bei der Anbieterauswahl lohnt es sich, beide Nutzergruppen früh einzubinden.
Öffentliche Preislisten für beide Kategorien kombiniert sind selten, da die meisten Anbieter Preise auf Anfrage nennen. Nach Markteinschätzung aus Referenzprojekten bewegen sich Kombinationslösungen für mittelständische Industrieunternehmen häufig im Bereich von 15.000 bis 60.000 Euro pro Jahr, abhängig von Standortzahl und Modulumfang. Reine EHS-Punktlösungen für einen einzelnen Standort können deutlich günstiger sein, während konzernweite Suiten mit ESG-Modul auch darüber liegen können. Eine verbindliche Kalkulation liefert nur ein individuelles Angebot der jeweiligen Anbieter.
Die Gegenüberstellung auf dieser Seite beruht auf der Kategorisierung von Anbietern im ESG-Software-Navigator, auf öffentlich zugänglichen Anbieterinformationen und auf den einschlägigen EU-Rechtsakten zu CSRD und ESRS. Werte ohne öffentliche Quelle sind ausdrücklich als Markteinschätzung aus Referenzprojekten gekennzeichnet.
CSRD-Richtlinie. Richtlinie (EU) 2022/2464 zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. EUR-Lex, 2022.
ESRS-Datenpunkte. Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 zur Ergänzung der CSRD um die European Sustainability Reporting Standards, einschließlich ESRS S1-14 zu Gesundheit und Sicherheit. EUR-Lex, 2023.
CSRD-Betroffenheit EU-weit. Schätzung von rund 50.000 betroffenen Unternehmen. Europäische Kommission, 2023.
Arbeitsunfallzahlen Deutschland. Rund 780.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle im Jahr 2022. DGUV-Statistik, 2022.
Anbieterkategorisierung. Einordnung der 13 EHS-Anbieter und 13 Reporting-Anbieter im ESG-Software-Navigator. find-your-esg.de ESG-Software-Navigator, Stand August 2026.
Preisspannen. Angaben zu kombinierten Jahreskosten sind, sofern nicht anders vermerkt, als Markteinschätzung aus Referenzprojekten gekennzeichnet und ersetzen kein individuelles Angebot.
Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert. Letzte Aktualisierung: August 2026.
Sie kennen jetzt die Abgrenzung zwischen ESG-Software und EHS-Software. Der nächste Schritt ist die konkrete Anbieterauswahl, entweder über den vertieften EHS-Guide oder über das neutrale Matching von find-your-esg.de.