Stand: August 2026 · VSME-Guide für den Mittelstand

VSME-Standard 2026: Der freiwillige Nachhaltigkeitsbericht für KMU

Der VSME-Standard der EFRAG ist seit Inkrafttreten der EU-Richtlinie 2026/470 (Omnibus I) am 18. März 2026 der maßgebliche Rahmen für freiwillige Nachhaltigkeitsberichte im Mittelstand, denn die CSRD-Pflicht gilt nur noch für Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und mindestens 450 Millionen Euro Umsatz (mi-bochum.de, 2026).

Dieser Guide erklärt für kleine und mittlere Unternehmen im DACH-Raum, wie der freiwillige Nachhaltigkeitsbericht nach VSME funktioniert: Basis-Modul mit den Angaben B1 bis B11, umfassendes Modul mit C1 bis C9, der Value-Chain-Cap als Schutz vor überzogenen Lieferketten-Fragebögen, durchgerechnete Kostenbeispiele und acht Tools mit belegten Preisangaben. Typische Anlässe sind ESG-Fragebögen der Hausbank, Datenanfragen CSRD-pflichtiger Großkunden und Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen.

11+9
Angabenbereiche im VSME: 11 im Basis-Modul (B1 bis B11), 9 im umfassenden Modul (C1 bis C9) (EFRAG, 2024)
1.000
Mitarbeiter-Schwelle: CSRD-Pflicht nur noch über 1.000 Mitarbeitern und ab 450 Mio. € Umsatz (EU-Richtlinie 2026/470; mi-bochum.de, 2026)
60 %
rund 60 % weniger Pflicht-Datenpunkte in den überarbeiteten ESRS ab Geschäftsjahr 2027 (mi-bochum.de, 2026)
31
veröffentlichte VSME-Berichte dokumentiert, von 17 bis 174 Seiten Umfang (Haufe, Mai 2026)
Basis-Modul B1 bis B11 Comprehensive C1 bis C9 Value-Chain-Cap Omnibus I 2026 Bankfähig DACH-KMU
Marktkontext

Warum VSME nach Omnibus I der Rahmen für den Mittelstand ist

Mit der EU-Richtlinie 2026/470 hat die EU den Anwendungsbereich der CSRD drastisch verkleinert: Verpflichtend berichten künftig nur noch Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und mindestens 450 Millionen Euro Umsatz; Deutschland setzt die Richtlinie bis März 2027 in nationales Recht um, die überarbeiteten ESRS mit rund 60 Prozent weniger Pflicht-Datenpunkten gelten ab dem Geschäftsjahr 2027 (mi-bochum.de, 2026). Für die große Mehrheit des Mittelstands verschwinden die Anforderungen damit aber nicht. Sie verlagern sich vom Gesetz in den Markt: Banken, Großkunden und Vergabestellen fragen weiter ESG-Daten ab, nur eben ohne gesetzliche Grundlage beim KMU selbst.

Treiber 01

Banken und Finanzierung

Die Europäische Bankenaufsicht EBA verlangt seit 2022, dass Banken ESG-Risiken in Kreditvergabe und Risikomanagement berücksichtigen (dfge.de, 2026). ESG-Fragebögen der Hausbank sind für KMU heute die häufigste Nachhaltigkeitsanfrage: Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Arbeitssicherheit, Governance. Ein VSME-Bericht beantwortet diese Fragen einmal, strukturiert und wiederverwendbar für jede Bank.

Treiber 02

Lieferkette und Großkunden

CSRD-pflichtige Konzerne müssen über ihre Wertschöpfungskette berichten und fragen deshalb Daten bei Zulieferern ab. Der Value-Chain-Cap begrenzt diese Abfragen bei Partnern unter 1.000 Mitarbeitern auf den Umfang des VSME-Standards (EU-Richtlinie 2026/470; mi-bochum.de, 2026). Wer nach VSME berichtet, erfüllt damit die zulässige Maximalanforderung seiner Großkunden.

Treiber 03

Ausschreibungen und Wettbewerb

Öffentliche und private Ausschreibungen verlangen zunehmend Nachhaltigkeitsnachweise. Der Markt zieht bereits nach: Haufe dokumentiert 31 veröffentlichte VSME-Berichte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren Ländern, mit 17 bis 174 Seiten Umfang (Haufe, Mai 2026). Früh berichtende KMU nutzen den Bericht als Vertriebsargument gegenüber Wettbewerbern ohne Nachweis.

Wie die neuen Schwellenwerte im Detail wirken, zeigt die Übersicht CSRD: Wer muss berichten? Den regulatorischen Gesamtrahmen von CSRD über EUDR bis Lieferkettengesetz ordnet die Seite ESG-Vorschriften 2026 ein.

Modulvergleich

Basis-Modul und umfassendes Modul im Vergleich

Die EFRAG hat den VSME-Standard am 17. Dezember 2024 an die EU-Kommission übergeben (efrag.org, 2024). Er ist bewusst zweistufig aufgebaut: Das Basis-Modul mit elf Angabenbereichen (B1 bis B11) ist der Einstieg und zugleich Mindestumfang, das umfassende Modul ergänzt neun vertiefende Angaben (C1 bis C9) für Unternehmen mit höheren Anforderungen von Kunden oder Finanzierungspartnern. Wer das umfassende Modul wählt, berichtet immer beide Teile.

Themenfeld Basis-Modul (B1 bis B11) Umfassendes Modul (zusätzlich, C1 bis C9)
Grundlagen und Strategie B1 Grundlagen der Berichtserstellung · B2 Praktiken, Policies und künftige Initiativen C1 Strategie, Geschäftsmodell und Nachhaltigkeit · C2 vertiefte Beschreibung von Praktiken, Policies und Initiativen
Klima und Energie B3 Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen C3 THG-Reduktionsziele und Klimatransition · C4 Klimarisiken
Umwelt B4 Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden · B5 Biodiversität · B6 Wasser · B7 Ressourcennutzung, Kreislaufwirtschaft und Abfall Keine eigenen Zusatzangaben; Vertiefung über Policies in C2
Soziales B8 Allgemeine Merkmale der Belegschaft · B9 Gesundheit und Sicherheit · B10 Vergütung, Tarifbindung und Weiterbildung C5 Zusätzliche Belegschaftsmerkmale · C6 Menschenrechts-Policies und Prozesse · C7 Schwere Menschenrechtsvorfälle
Governance B11 Verurteilungen und Bußgelder wegen Korruption und Bestechung C8 Umsätze aus bestimmten Sektoren und Ausschluss aus EU-Referenz-Benchmarks · C9 Geschlechterdiversität im Leitungsorgan
Typischer Einsatz Einstieg Bankfragebögen, einfache Lieferantenanfragen, erster Bericht Vertiefung Anfragen CSRD-pflichtiger Großkunden, Finanzierungspartner mit vertieften Anforderungen

Modulstruktur nach dem EFRAG-VSME, übergeben an die EU-Kommission am 17. Dezember 2024 (efrag.org); Angabenliste nach deutscher-nachhaltigkeitskodex.de (2026).

Der Value-Chain-Cap: Schutzschirm für Zulieferer

Großunternehmen im CSRD-Anwendungsbereich dürfen von Wertschöpfungspartnern mit weniger als 1.000 Mitarbeitern grundsätzlich nur Informationen im Umfang des VSME-Standards verlangen (EU-Richtlinie 2026/470; mi-bochum.de, 2026). Der Cap begrenzt den Trickle-Down-Effekt, bei dem Konzernanforderungen bisher ungefiltert auf kleine Zulieferer durchgereicht wurden. Für KMU heißt das konkret: Ein vollständiger VSME-Bericht ist die obere Grenze dessen, was Kunden einfordern dürfen. Umfangreichere Fragebögen lassen sich mit Verweis auf den Cap auf das VSME-Niveau zurückführen.

Entscheidungshilfe

Welches Modul für wen?

Die Modulwahl folgt dem Anlass, nicht dem Anspruch. Wer nur den Bankfragebogen bedienen muss, braucht kein umfassendes Modul; wer Konzernkunden beliefert, kommt selten am Comprehensive-Teil vorbei. Drei typische Konstellationen aus der Beratungspraxis.

Fall A

Das Basis-Modul reicht, wenn ...

  • erstmals berichtet wird und der Anlass ein ESG-Fragebogen der Hausbank oder eine einfache Kundenanfrage ist
  • das Unternehmen unter rund 250 Mitarbeiter hat und keine Konzernkunden mit vertieften Datenanforderungen beliefert
  • keine Anfragen zu Klimarisiken, THG-Zielen oder Menschenrechtsprozessen vorliegen
  • der Bericht zunächst intern Struktur und Datenbasis schaffen soll
Fall B

Comprehensive lohnt sich, wenn ...

  • CSRD-pflichtige Großkunden Daten zu Klimarisiken (C4) oder THG-Reduktionszielen (C3) anfordern
  • Finanzierungspartner oder Investoren vertiefte Transparenz erwarten
  • das Unternehmen Menschenrechts-Sorgfalt nachweisen will (C6, C7)
  • ein Hineinwachsen in die CSRD-Pflicht absehbar ist (über 1.000 Mitarbeiter und 450 Mio. € Umsatz; mi-bochum.de, 2026)
Fall C

Gar kein Bericht nötig, wenn ...

  • weder Bank noch Kunden bisher ESG-Daten anfragen
  • keine Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien anstehen
  • das Geschäft rein lokal ohne Konzern- oder Auslandskunden läuft

Auch dann lohnt oft eine schlanke CO2-Bilanz als Vorbereitung: kostenlos möglich mit dem Rechner ecocockpit der Effizienz-Agentur NRW (ecocockpit.de, 2026). Kommt die erste Anfrage, steht die wichtigste Datenbasis bereits.

Rechenbeispiele

Was kostet ein VSME-Bericht? Drei Musterfälle

Drei durchgerechnete Konstellationen aus typischen Projektprofilen. Alle Beträge netto und gerundet; sie ersetzen kein individuelles Angebot. Posten ohne öffentliche Preisquelle sind ausdrücklich als Markteinschätzung aus Referenzprojekten gekennzeichnet. Einen breiteren Marktüberblick über Lizenzmodelle gibt die Seite ESG-Software Kosten 2026; die Grundlagen der Emissionsberechnung erklärt CO2-Bilanz erstellen.

Musterfall 01 · Basis-Modul

Dienstleister, 30 Mitarbeiter, ein Standort

Anlass: ESG-Fragebogen der Hausbank. Lösung: VSME Basis-Modul mit einem spezialisierten KMU-Tool.

  • ESG-Lift-Lizenz, Preisstufe nach Unternehmensgröße: 890 € pro Jahr (esglift.com/nachhaltigkeitsbericht-preise, 2026)
  • Implementierung: 0 €, laut Anbieter keine Implementierungskosten (esglift.com, 2026)
  • Interne Datensammlung und Berichtstexte, ca. 8 Personentage à 400 €: 3.200 € (Markteinschätzung aus Referenzprojekten)

Jahr 1: rund 4.100 €. Ab Jahr 2: rund 2.500 € (Lizenz plus ca. 4 Personentage Pflege, Markteinschätzung aus Referenzprojekten).

Musterfall 02 · Basis plus C-Angaben

Handelsunternehmen, 120 Mitarbeiter, drei Standorte

Anlass: Lieferantenfragebögen zweier Großkunden plus Bankanfrage. Lösung: Basis-Modul plus ausgewählte Comprehensive-Angaben (C3, C5).

  • VSMEasy-Lizenz Growth, 349 € pro Monat: 4.188 € pro Jahr (fiegenbaum.solutions, 2026)
  • CO2-Bilanz Scope 1 und 2 mit ecocockpit: 0 € (ecocockpit.de, 2026)
  • Interne Datensammlung über drei Standorte, ca. 15 Personentage à 400 €: 6.000 € (Markteinschätzung aus Referenzprojekten)
  • Externe Plausibilisierung der Kennzahlen: 3.000 € (Markteinschätzung aus Referenzprojekten)

Jahr 1: rund 13.200 €. Ab Jahr 2: rund 8.200 € (Lizenz plus ca. 10 Personentage, Markteinschätzung aus Referenzprojekten).

Musterfall 03 · Comprehensive

Zulieferer, 300 Mitarbeiter, Automotive

Anlass: CSRD-pflichtiger Konzernkunde fordert Daten bis zur Grenze des Value-Chain-Cap. Lösung: vollständiges umfassendes Modul.

  • ESG-Suite, z. B. Envoria, mittlere Ausbaustufe: 12.000 € pro Jahr innerhalb der Orientierungsspanne von 3.000 bis über 40.000 € (envoria.com, 2026)
  • Interne Datensammlung inkl. C-Angaben, ca. 25 Personentage à 450 €: 11.300 € (Markteinschätzung aus Referenzprojekten)
  • Externe Beratung Klimarisiko-Analyse für C4: 6.000 € (Markteinschätzung aus Referenzprojekten)

Jahr 1: rund 29.300 €. Ab Jahr 2: rund 17.400 € (Lizenz plus ca. 12 Personentage, Markteinschätzung aus Referenzprojekten).

Tool-Überblick

Acht Tools für die VSME-Umsetzung

Alphabetische Auswahl, keine Empfehlung und kein Ranking. Empfehlungen entstehen ausschließlich über das neutrale Matching. Alle Preisangaben stammen aus den verlinkten öffentlichen Quellen (Stand 2026); Konditionen können sich ändern und sind beim Anbieter zu verifizieren.

Anbieter Fokus Öffentliche Preisangabe Quelle
ecocockpitEffizienz-Agentur NRW Kostenloser CO2-Rechner für Scope-Bilanzen; Baustein für die VSME-Angabe B3, kein vollständiges Berichtstool kostenlos ecocockpit.de (2026)
Envoria ESG-Suite mit Modulen für VSME, CSRD/ESRS und EU-Taxonomie; für größere KMU und Konzern-Zulieferer Orientierungsspannen 3.000 bis über 40.000 € pro Jahr envoria.com (2026)
ESG Lift VSME-Berichte für KMU bis 250 Mitarbeiter; Basis- und Zusatzmodule, laut Anbieter ohne Implementierungskosten 590 bis 1.590 € pro Jahr je nach Größe esglift.com (2026)
Leadity VSME-Reporting-Software für den Mittelstand ab 199 € pro Monat fiegenbaum.solutions (2026)
MULTIPLYE VSME-Software mit CO2-Automatisierung nach GHG Protocol ab 1.999 € pro Jahr fiegenbaum.solutions (2026)
Planted ESG-Reporting-Software mit VSME-Unterstützung und Klimaprojekten Basisversion kostenlos; erweiterte Funktionen ab 169 € je Nutzer und Monat omr.com (2026)
Sustain Republic VSME-Einstiegslösung für kleine Unternehmen ab 149 € pro Jahr fiegenbaum.solutions (2026)
VSMEasy VSME-Pure-Play mit Branchen-Benchmarks aus über 1.500 Berichten 99 € pro Monat (Starter) bis 349 € pro Monat (Growth) fiegenbaum.solutions (2026)

Welche Kriterien bei der Auswahl zählen, beschreibt der Leitfaden ESG-Software auswählen; einen detaillierten Marktvergleich liefert der ESG-Software Vergleich 2026. Wer neu im Thema ist, startet mit den Grundlagen unter Was ist ESG-Software?

Praxiswissen

Sechs Fehler beim ersten Nachhaltigkeitsbericht

Die häufigsten Fallstricke aus Auswahl- und Einführungsprojekten im Find-Your-Software-Netzwerk. Wer sie kennt, spart im ersten Berichtsjahr Wochen an Aufwand und vermeidet Rückfragen von Bank und Kunden.

Fehler 01

Zu groß starten

Wer ohne konkreten Anlass mit dem umfassenden Modul beginnt, verdoppelt den Aufwand. Das Basis-Modul mit elf Angabenbereichen deckt Bankfragebögen meist vollständig ab (EFRAG, 2024); einzelne C-Angaben lassen sich später gezielt ergänzen.

Fehler 02

Die Angabe B3 unterschätzen

Energie- und Emissionsdaten sind der größte Aufwandstreiber im ersten Jahr: Zählerstände, Fuhrpark, Kältemittel, Heizung. Wer früh sammelt, spart Wochen. Kostenlose Rechner wie ecocockpit der Effizienz-Agentur NRW erleichtern den Einstieg (ecocockpit.de, 2026).

Fehler 03

Jeden Fragebogen einzeln beantworten

Banken- und Kundenfragebögen überschneiden sich stark. Ein VSME-Bericht als zentrale Quelle ersetzt Dutzende Einzelantworten und ist durch den Value-Chain-Cap als zulässiger Maximalumfang abgesichert (EU-Richtlinie 2026/470; mi-bochum.de, 2026).

Fehler 04

Keine klare Verantwortlichkeit

Ohne benannten Verantwortlichen versanden Datensammlung und Fristen zwischen Geschäftsführung, Buchhaltung und Technik. In Referenzprojekten scheitern erste Berichte häufiger an Zuständigkeit als an Fachwissen (Markteinschätzung aus Referenzprojekten).

Fehler 05

Zahlen ohne Belege

Kennzahlen ohne dokumentierte Herkunft halten keiner Bank- oder Kundenprüfung stand. Jede Angabe braucht Beleg, Bezugsjahr und Berechnungsweg, genau so, wie es der VSME in der Angabe B1 zu den Berichtsgrundlagen anlegt (EFRAG, 2024).

Fehler 06

Einmalprojekt statt Prozess

Ab dem zweiten Jahr sinkt der Aufwand deutlich, wenn Datenquellen und Termine stehen. Wer den Bericht als jährlichen Prozess mit festen Zuständigkeiten aufsetzt, reduziert die Folgekosten gegenüber einem Neustart erheblich (Markteinschätzung aus Referenzprojekten).

Vorgehen

In sechs Schritten zum ersten VSME-Bericht

Vom Nichtbericht zum bankfähigen VSME-Bericht in zwei bis drei Monaten: der bewährte Ablauf aus Referenzprojekten, vom Anlass bis zur jährlichen Wiederverwendung.

01

Anlass und Adressaten klären

Bankfragebogen, Kundenanfrage oder Ausschreibung bestimmen Modul und Tiefe des Berichts. Wer die konkreten Anforderungen der Adressaten kennt, berichtet nur, was gebraucht wird.

02

Modul wählen

Das Basis-Modul mit den Angaben B1 bis B11 ist der Einstieg für die meisten KMU. Angaben aus dem umfassenden Modul (C1 bis C9) werden nur bei konkretem Bedarf ergänzt, etwa Klimarisiken oder Menschenrechts-Policies.

03

Daten sammeln

Energieverbrauch, Emissionen, Belegschaftsdaten und Governance-Angaben zusammentragen. Die CO2-Bilanz für die Angabe B3 lässt sich mit dem kostenlosen Rechner ecocockpit der Effizienz-Agentur NRW erstellen.

04

Tool oder Vorlage festlegen

EFRAG-Template, Excel oder spezialisierte VSME-Software: Das neutrale Find-Your-ESG Matching filtert in 6 Minuten aus über 120 Systemen die passende Lösung, kostenlos und anbieterunabhängig.

05

Bericht erstellen und intern prüfen

Angaben vollständig ausformulieren, Quellen und Berechnungswege dokumentieren, Kennzahlen durch eine zweite Person plausibilisieren lassen.

06

Veröffentlichen und wiederverwenden

Bericht an Bank, Kunden und Ausschreibungsstellen geben, auf der Website veröffentlichen und jährlich mit festem Prozess aktualisieren. Ab dem zweiten Jahr sinkt der Aufwand deutlich.

FAQ

Häufige Fragen zum VSME-Standard

Die wichtigsten Fragen zu Modulen, Pflichtstatus, Kosten und Umsetzung des freiwilligen Nachhaltigkeitsberichts für KMU, jeweils mit Quelle und Jahr.

Was ist der VSME-Standard?

Der VSME-Standard (Voluntary Standard for non-listed Small and Medium-sized Enterprises) ist der freiwillige Nachhaltigkeitsberichtsstandard der EFRAG für nicht kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen. Er wurde am 17. Dezember 2024 an die EU-Kommission übergeben und besteht aus einem Basis-Modul mit elf Angabenbereichen (B1 bis B11) und einem umfassenden Modul mit neun Zusatzangaben (C1 bis C9). KMU nutzen ihn, um ESG-Anfragen von Banken, Großkunden und Ausschreibungen mit einem einzigen standardisierten Bericht zu beantworten (EFRAG, 2024).

Ist der VSME-Bericht Pflicht?

Nein, der VSME-Bericht ist freiwillig. Seit der EU-Richtlinie 2026/470 (Omnibus I), in Kraft seit dem 18. März 2026, gilt die CSRD-Berichtspflicht nur noch für Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und mindestens 450 Millionen Euro Umsatz (mi-bochum.de, 2026). Für alle anderen Unternehmen ist der VSME der von der EU empfohlene freiwillige Rahmen. Faktisch entsteht jedoch Druck aus der Praxis: Banken, CSRD-pflichtige Großkunden und öffentliche Ausschreibungen fragen ESG-Daten ab, die sich mit einem VSME-Bericht strukturiert beantworten lassen.

Was kostet ein VSME-Bericht?

Ein VSME-Bericht kostet je nach Unternehmensgröße und Modul zwischen rund 600 und 30.000 Euro pro Jahr. Spezialisierte VSME-Tools wie ESG Lift beginnen bei 590 bis 1.590 Euro pro Jahr ohne Implementierungskosten (esglift.com, 2026), ESG-Suiten wie Envoria liegen bei 3.000 bis über 40.000 Euro pro Jahr (envoria.com, 2026). Hinzu kommt interner Aufwand für die Datensammlung, in Referenzprojekten typischerweise 8 bis 25 Personentage im ersten Jahr (Markteinschätzung aus Referenzprojekten).

VSME Basic oder Comprehensive: Welches Modul passt?

Das Basis-Modul mit den Angaben B1 bis B11 reicht für die meisten KMU, die erstmals berichten und vor allem Bankanfragen und einfache Lieferantenfragebögen beantworten wollen. Das umfassende Modul mit den Zusatzangaben C1 bis C9 lohnt sich, wenn CSRD-pflichtige Großkunden detaillierte Daten zu Klimarisiken, Treibhausgas-Zielen oder Menschenrechtsprozessen anfordern oder Finanzierungspartner vertiefte Transparenz erwarten (EFRAG, 2024). Viele Unternehmen starten mit dem Basis-Modul und ergänzen einzelne C-Angaben nach Bedarf.

Was ist der Value-Chain-Cap?

Der Value-Chain-Cap ist eine Schutzregel aus dem Omnibus-I-Paket der EU: CSRD-pflichtige Großunternehmen dürfen von ihren Lieferanten und Wertschöpfungspartnern mit weniger als 1.000 Mitarbeitern grundsätzlich nur noch Informationen im Umfang des VSME-Standards verlangen (EU-Richtlinie 2026/470; mi-bochum.de, 2026). Der Cap begrenzt damit den Trickle-Down-Effekt, bei dem Konzernanforderungen ungefiltert auf kleine Zulieferer durchgereicht wurden. Wer einen VSME-Bericht vorlegt, erfüllt die zulässige Maximalanforderung.

Reicht Excel für den VSME-Bericht?

Für das Basis-Modul eines kleinen Unternehmens kann Excel ausreichen: Die EFRAG stellt ein kostenloses digitales Template bereit, und Werkzeuge wie der kostenlose CO2-Rechner ecocockpit der Effizienz-Agentur NRW decken die Emissionsberechnung ab (ecocockpit.de, 2026). Ab etwa 50 bis 100 Mitarbeitern, mehreren Standorten oder jährlich wiederkehrender Berichterstattung sprechen Versionierung, Datenqualität und Wiederverwendbarkeit meist für ein spezialisiertes Tool. Die Kosten dafür beginnen bei 590 Euro pro Jahr (esglift.com, 2026).

Wer muss nach Omnibus I noch nach CSRD berichten?

Nach der EU-Richtlinie 2026/470 (Omnibus I), in Kraft seit dem 18. März 2026, sind nur noch Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und mindestens 450 Millionen Euro Umsatz CSRD-pflichtig (mi-bochum.de, 2026). Deutschland muss die Richtlinie bis März 2027 in nationales Recht umsetzen. Die überarbeiteten ESRS mit rund 60 Prozent weniger Pflicht-Datenpunkten gelten ab dem Geschäftsjahr 2027. Alle Unternehmen unterhalb der Schwellen berichten freiwillig, in der Regel nach dem VSME-Standard.

Welche Angaben enthält das VSME Basis-Modul?

Das Basis-Modul umfasst elf Angabenbereiche: B1 Grundlagen der Berichtserstellung, B2 Praktiken und Policies, B3 Energie und Treibhausgasemissionen, B4 Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden, B5 Biodiversität, B6 Wasser, B7 Ressourcennutzung, Kreislaufwirtschaft und Abfall, B8 allgemeine Merkmale der Belegschaft, B9 Gesundheit und Sicherheit, B10 Vergütung, Tarifbindung und Weiterbildung sowie B11 Verurteilungen und Bußgelder wegen Korruption und Bestechung (EFRAG, 2024). Veröffentlichte VSME-Berichte beginnen bei 17 Seiten Umfang (Haufe, 2026).

Warum fragen Banken KMU nach ESG-Daten?

Die Europäische Bankenaufsicht EBA verlangt seit 2022, dass Banken ESG-Risiken in Kreditvergabe und Risikomanagement berücksichtigen (dfge.de, 2026). Deshalb versenden Hausbanken ESG-Fragebögen an Firmenkunden, auch wenn diese selbst keiner Berichtspflicht unterliegen. Ein VSME-Bericht beantwortet die typischen Fragen zu Energieverbrauch, Emissionen, Arbeitssicherheit und Governance strukturiert und wiederverwendbar, statt jeden Fragebogen einzeln auszufüllen.

Wie lange dauert der erste VSME-Bericht?

Für das Basis-Modul sollten kleine Unternehmen mit rund 8 bis 15 Personentagen über zwei bis drei Monate rechnen, für das umfassende Modul mit 20 bis 30 Personentagen (Markteinschätzung aus Referenzprojekten, 2026). Der größte Aufwandstreiber ist die erstmalige Datensammlung, vor allem Energie- und Emissionsdaten für die Angabe B3. Ab dem zweiten Berichtsjahr sinkt der Aufwand deutlich, weil Datenquellen und Prozesse stehen.

Methodik und Quellen

So haben wir gerechnet

Jede Preis- und Kostenangabe auf dieser Seite trägt eine benannte Quelle mit Jahr. Werte ohne öffentliche Quelle sind ausdrücklich als Markteinschätzung aus Referenzprojekten gekennzeichnet und stammen aus der Auswertung von Auswahl- und Einführungsprojekten im Find-Your-Software-Netzwerk. Alle Beträge sind netto und gerundet; die Rechenbeispiele ersetzen kein individuelles Angebot. Die Modulstruktur des VSME folgt der EFRAG-Fassung vom 17. Dezember 2024. Rechtsstand: EU-Richtlinie 2026/470 (Omnibus I), in Kraft seit dem 18. März 2026, deutsche Umsetzung bis März 2027.

Verwendete Quellen (Stand: 11. August 2026)

  • EFRAG: Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME), übergeben an die EU-Kommission am 17. Dezember 2024: efrag.org
  • Deutscher Nachhaltigkeitskodex: VSME-Angabenübersicht (B1 bis B11, C1 bis C9), 2026: deutscher-nachhaltigkeitskodex.de
  • mi Management Institut Bochum: Omnibus I 2026, EU-Richtlinie 2026/470, CSRD- und CSDDD-Änderungen, 2026: mi-bochum.de
  • ESG Lift: Preise für Nachhaltigkeitsberichte nach VSME, 2026: esglift.com
  • OMR Reviews: Beste ESG-Reporting-Software, 2026: omr.com
  • ecocockpit, kostenloser CO2-Rechner der Effizienz-Agentur NRW, 2026: ecocockpit.de
  • Envoria: ESG Software Cost and Pricing, Orientierungsspannen, 2026: envoria.com
  • Fiegenbaum Solutions: VSME-Software 2026, Tool-Vergleich mit Preisangaben, 2026: fiegenbaum.solutions
  • Haufe Sustainability: Übersicht veröffentlichter VSME-Berichte, Mai 2026: haufe.de
  • DFGE Institute for Energy, Ecology and Economy: VSME und Kreditvergabe, EBA-Anforderungen seit 2022, 2026: dfge.de

Welches Tool passt zu Ihrem VSME-Bericht?

Das neutrale Matching von Find-Your-ESG filtert in 6 Minuten aus über 120 Systemen die Lösungen, die zu Unternehmensgröße, Modul und Budget passen. Kostenlos, anbieterunabhängig und ohne Verpflichtung.