ESG-Ratings sind externe Bewertungen der Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens, erstellt von spezialisierten Ratingagenturen und Plattformen für Investoren, Einkaufsabteilungen und den Kapitalmarkt. Für Unternehmen im deutschsprachigen Mittelstand und für Konzernlieferanten sind drei Systeme besonders relevant: EcoVadis für Lieferketten-Scorecards im Einkauf, CDP für Klima, Wasser und Wälder gegenüber Investoren und ISS ESG für Corporate-Governance-Bewertungen am Kapitalmarkt. Mehr als 100.000 Unternehmen weltweit sind laut EcoVadis, Unternehmensangaben, 2026, auf der Plattform bewertet, ein Beleg dafür, wie stark Lieferketten-Ratings inzwischen zur Einkaufsanforderung großer Konzerne geworden sind. Diese Seite ordnet EcoVadis, CDP und ISS entlang von Zielgruppe, Erhebungsmethode und Aufwand ein und zeigt, welche ESG-Software die Vorbereitung auf alle drei Systeme erleichtert.
Diese Seite vertieft gezielt EcoVadis, CDP und ISS. Die Schwesterseite ESG-Daten und Ratings behandelt das größere Feld aus externen Bewertungen, Wesentlichkeitsanalyse-Tools und regulatorischer Compliance-Intelligenz im Überblick, während wir hier ausschließlich die Erhebungslogik und Softwareunterstützung für die drei genannten Systeme vertiefen. Wer zuerst klären möchte, welche Themen für das eigene Unternehmen überhaupt wesentlich sind, findet das in der Wesentlichkeitsanalyse nach doppelter Materialität.
EcoVadis richtet sich an Einkaufsabteilungen großer Konzerne, die von ihren Lieferanten eine Nachhaltigkeits-Scorecard verlangen. CDP richtet sich an institutionelle Investoren und Umwelt-NGOs, die Klimarisiken einschätzen wollen. ISS ESG richtet sich an den Kapitalmarkt, vor allem an institutionelle Investoren, die Governance- und ESG-Daten für Anlageentscheidungen nutzen.
EcoVadis und CDP arbeiten fragebogenbasiert. Das bewertete Unternehmen füllt aktiv ein Formular aus und lädt Nachweise hoch. ISS ESG stützt sich dagegen primär auf Datenaggregation aus öffentlich verfügbaren Quellen wie Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten, ergänzt um einen Verifizierungsprozess mit dem Unternehmen.
MSCI ESG Ratings (Skala AAA bis CCC) und Morningstar Sustainalytics (ESG-Risk-Rating von gering bis schwerwiegend) sind laut MSCI und Morningstar Sustainalytics, Unternehmensangaben, 2026, ebenfalls investorenorientierte Risikoratings, ähnlich wie ISS ESG. Sie werden hier nur zur Einordnung erwähnt, weil eine Vertiefung den Fokus dieser Seite auf EcoVadis, CDP und ISS verwässern würde. Eine breitere Einordnung von Ratings, Wesentlichkeitsanalyse und Regulatorik liefert die Seite ESG-Daten und Ratings.
Die folgende Tabelle vergleicht die drei Systeme entlang der Kriterien, die in der Praxis am wichtigsten sind: wer die Bewertung verlangt, wie die Daten erhoben werden und wie hoch der Aufwand für das bewertete Unternehmen ausfällt.
| Kriterium | EcoVadis | CDP | ISS ESG |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | Einkaufsabteilungen großer Konzerne, Lieferkette | Institutionelle Investoren, NGOs, Großkunden mit Klimafokus | Institutionelle Investoren, Kapitalmarkt |
| Erhebungsmethode | Online-Fragebogen mit Dokumenten-Upload, geprüft von EcoVadis-Analysten | Jährlicher Online-Fragebogen, Selbstauskunft zu Klima, Wasser, Wäldern | Primär Datenaggregation aus öffentlichen Berichten, ergänzt um Verifizierungsprozess |
| Turnus | Alle 12 bis 24 Monate, je nach Kundenanforderung | Jährlich, mit festem Einreichungsfenster | Laufend aktualisiert, meist jährliche Neubewertung |
| Aufwand für das Unternehmen | Hoch beim Erstdurchlauf, danach moderat | Hoch, insbesondere bei Scope-3-Emissionsdaten | Gering bis moderat, kein umfangreicher Fragebogen |
| Typischer Auslöser | Kundenanfrage, Einkaufsanforderung eines Großkunden | Investorenanfrage oder Kundenanfrage im Supply-Chain-Programm, teils freiwillig | Automatisch bei Börsennotierung oder auf Investorenanfrage |
| Bewertungsskala | 0 bis 100 Punkte mit Medaillen-Stufen, u.a. Bronze bis Platin | Buchstabenskala von D bis A | Kein einheitliches Punkteschema, unternehmensspezifisches Rating für Governance und ESG |
Quelle: EcoVadis, CDP und ISS STOXX / ISS ESG, jeweils Unternehmensangaben, Abruf 2026. Einzelne Ausprägungen können je Branche und Kundenanforderung variieren.
Die Tabelle zeigt die Unterschiede auf einen Blick. Die folgenden Kurzporträts ordnen jedes System einzeln ein, mit Gründungsjahr, Themenblöcken und typischem Auslöser.
EcoVadis, eine Plattform für Lieferketten-Nachhaltigkeitsratings, gegründet 2007 in Paris, bewertet Unternehmen anhand von vier Themenblöcken: Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung. Das Scorecard-Ergebnis wird häufig von Großkunden als Einkaufsanforderung an ihre Lieferanten vorausgesetzt.
CDP, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in London, gegründet 2000, sammelt jährliche Selbstauskünfte zu Klimawandel, Wassersicherheit und Wäldern über standardisierte Fragebögen. Investoren und Großkunden nutzen den CDP-Score, um Klimarisiken bei Lieferanten und Portfoliounternehmen einzuschätzen.
ISS ESG ist der ESG-Bereich von Institutional Shareholder Services, kurz ISS, einem 1985 gegründeten Anbieter für Corporate-Governance- und Stimmrechtsberatung. Über ISS Corporate Solutions unterstützt ISS Unternehmen zusätzlich dabei, ihre eigenen ESG- und Governance-Daten für institutionelle Investoren aufzubereiten.
Viele der Angaben, die EcoVadis, CDP und ISS abfragen, entstehen ohnehin im laufenden CSRD-Reporting. Wer ESG-Kennzahlen und KPIs zentral pflegt und EU-Taxonomie-Software für die regulatorische Klassifizierung nutzt, kann viele dieser Daten direkt in Rating-Fragebögen wiederverwenden, statt sie erneut zu erheben.
Kennzahlen aus dem CSRD-Nachhaltigkeitsbericht lassen sich in Rating-Fragebögen übernehmen, statt sie mehrfach zu erfassen.
Vorlagen und Mapping-Funktionen befüllen EcoVadis- und CDP-Fragebögen automatisch mit vorhandenen Stammdaten.
Schnittstellen übertragen Emissions- und Lieferkettendaten direkt in die Portale der Ratingagenturen, ohne manuellen Export.
Zentrale Ablage von Zertifikaten, Policies und Nachweisen, die bei EcoVadis-Scorecards regelmäßig angefordert werden.
Werkzeuge zur Abfrage von Lieferanten unterstützen, wenn ein Unternehmen selbst EcoVadis-Daten von seinen Zulieferern einholen muss, ausführlich behandelt auf der Seite Lieferketten-ESG-Software.
Eine nachvollziehbare Änderungshistorie erleichtert die jährliche Aktualisierung von CDP-Antworten und die Verifizierung durch ISS.
Die folgenden Anbieter bieten ESG-Reporting- oder Carbon-Accounting-Software mit Funktionen, die die Vorbereitung auf EcoVadis-, CDP- oder ISS-Anfragen unterstützen können, etwa durch Datenwiederverwendung, Fragebogen-Vorlagen oder CDP-kompatible Klimaberichte.
| Anbieter | Fokus | Quelle |
|---|---|---|
| Coolset | ESG-Reporting-Software für CSRD/ESRS-konforme Datenerfassung mit Exportfunktionen für externe Anfragen | Coolset, Unternehmensangaben, 2026 |
| Diligent ESG | Plattform für ESG-Datenmanagement und Reporting-Automatisierung über mehrere Rahmenwerke | Diligent, Unternehmensangaben, 2026 |
| Enablon (Wolters Kluwer) | EHS- und ESG-Managementsoftware für große Unternehmen | Wolters Kluwer Enablon, Unternehmensangaben, 2026 |
| IBM Envizi | ESG-Datenmanagement-Plattform zur Konsolidierung von Nachhaltigkeitsdaten aus mehreren Quellen | IBM, Unternehmensangaben, 2026 |
| Normative | Carbon-Accounting-Software mit Funktionen zur Erstellung CDP-kompatibler Klimadatenberichte | Normative, Unternehmensangaben, 2026 |
| Sphera | ESG-Performance- und Risikomanagement-Software | Sphera, Unternehmensangaben, 2026 |
| Watershed | Klimamanagement-Plattform mit Funktionen für die CDP-Berichterstattung | Watershed, Unternehmensangaben, 2026 |
| Workiva | Reporting-Plattform mit Wiederverwendung von Daten über mehrere Rahmenwerke, u.a. CSRD und CDP | Workiva, Unternehmensangaben, 2026 |
Alphabetische Auswahl, keine Empfehlung und kein Ranking. Empfehlungen entstehen ausschließlich über das neutrale Matching.
Unabhängig davon, ob EcoVadis, CDP oder ISS im Vordergrund steht, folgt die Vorbereitung in der Praxis einem ähnlichen Ablauf.
Erst prüfen, wer die Bewertung verlangt, ein Kunde für EcoVadis, ein Investor für CDP oder die Börsennotierung für ISS, denn davon hängt der weitere Prozess ab.
CSRD/ESRS-Kennzahlen, Klimabilanz und Lieferantendaten aus dem laufenden Reporting zusammenführen, statt sie neu zu erheben.
Einkauf, Nachhaltigkeitsteam und Investor Relations abstimmen, wer welchen Fragebogen verantwortet.
EcoVadis- und CDP-Portale mit vorbereiteten Daten befüllen und Nachweise wie Policies und Zertifikate hochladen.
Antworten gegenprüfen, insbesondere Emissionsdaten, bevor sie eingereicht werden.
Rating einreichen, Rückfragen der Analysten beantworten und das Ergebnis für die nächste Runde dokumentieren.
Antworten auf die Fragen, die in der Praxis bei EcoVadis, CDP und ISS am häufigsten aufkommen.
EcoVadis, CDP und ISS sind drei unterschiedliche ESG-Bewertungssysteme mit unterschiedlichen Adressaten. EcoVadis bewertet Lieferanten im Auftrag von Einkaufsabteilungen großer Konzerne anhand eines Fragebogens zu Umwelt, Arbeitsrechten, Ethik und Beschaffung. CDP sammelt jährliche Selbstauskünfte zu Klima, Wasser und Wäldern für institutionelle Investoren und Umwelt-NGOs. ISS ESG richtet sich primär an den Kapitalmarkt und erstellt Governance- und ESG-Bewertungen vor allem für institutionelle Investoren, gestützt auf Datenaggregation statt auf einen Fragebogen.
EcoVadis bewertet ein Unternehmen in der Regel nur, wenn es dafür registriert wird, meist auf Anforderung eines Kunden, der die Scorecard für seine Lieferantenbewertung benötigt. Ohne eine solche Kundenanfrage findet üblicherweise keine automatische Bewertung statt. Nach der Registrierung füllt das Unternehmen selbst den Online-Fragebogen aus und lädt Nachweise hoch, die anschließend von EcoVadis-Analysten geprüft werden. Das Ergebnis ist eine Punktzahl von 0 bis 100 sowie eine Medaillen-Stufe, laut EcoVadis, Unternehmensangaben, 2026.
CDP-Fragebögen zu Klima, Wasser und Wäldern werden jährlich neu ausgefüllt, mit einem festen Einreichungsfenster, das meist im Sommer liegt. Eine einmalige Einreichung reicht nicht aus, weil Investoren und Kunden ein aktuelles Bild erwarten. Der jährliche Turnus macht es sinnvoll, Klimadaten fortlaufend statt nur zur Einreichung zu erfassen. Unternehmen, die bereits CSRD konform berichten, können viele Kennzahlen direkt übernehmen.
Ein ISS-ESG-Rating wird in der Regel nicht vom Unternehmen selbst beantragt, sondern entsteht, weil institutionelle Investoren, Indexanbieter oder der Kapitalmarkt Governance- und ESG-Daten für Anlageentscheidungen benötigen. Börsennotierte Unternehmen werden dabei häufig automatisch erfasst, sobald sie für Investoren relevant sind. Anders als bei EcoVadis oder CDP gibt es meist keinen aktiven Fragebogen-Prozess, sondern einen Verifizierungsschritt, bei dem das Unternehmen die aggregierten Daten kommentieren oder korrigieren kann. ISS Corporate Solutions unterstützt Unternehmen zusätzlich dabei, ihre eigenen Daten für diesen Prozess aufzubereiten.
Die genauen Kosten hängen vom gewählten Leistungspaket und vom Auftraggeber ab und werden von EcoVadis nicht einheitlich veröffentlicht. In der Praxis zahlen bewertete Unternehmen häufig eine jährliche Gebühr im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich für den Basiszugang. Dies ist als Markteinschätzung aus Referenzprojekten zu verstehen und variiert je nach Unternehmensgröße und Region. Zusätzlich entsteht interner Aufwand für das Sammeln von Nachweisen und Dokumenten, der oft höher ins Gewicht fällt als die reine Gebühr.
Die CSRD und die European Sustainability Reporting Standards, kurz ESRS, regeln die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung in der EU, während EcoVadis und CDP freiwillige oder kundengetriebene externe Bewertungen sind. Viele Kennzahlen überschneiden sich jedoch, etwa Treibhausgasemissionen oder Lieferkettenrisiken, sodass sich CSRD-Daten oft direkt in EcoVadis- und CDP-Fragebögen wiederverwenden lassen. Das senkt den Erhebungsaufwand deutlich, weil Daten nicht mehrfach von Grund auf neu erfasst werden müssen. Eine strukturierte Übersicht der ESRS-Kennzahlen liefert die Seite ESG-Kennzahlen und KPIs.
MSCI ESG Ratings und Morningstar Sustainalytics sind beide investorenorientierte Risikoratings, unterscheiden sich aber in Skala und Methodik. MSCI bewertet Unternehmen auf einer Skala von AAA bis CCC und stellt die Nachhaltigkeitsleistung relativ zur Branche dar. Sustainalytics nutzt stattdessen ein ESG-Risk-Rating, das das ungesicherte finanzielle Risiko aus ESG-Themen von gering bis schwerwiegend einstuft. Beide Systeme werden auf dieser Seite nur zur Einordnung erwähnt, weil der Fokus auf EcoVadis, CDP und ISS liegt.
Die Vorbereitungszeit hängt stark davon ab, wie viele Nachweise und Policies bereits vorliegen. Als Markteinschätzung aus Referenzprojekten dauert ein erstes Assessment meist zwischen vier und zehn Wochen. Unternehmen ohne bestehende ESG-Dokumentation benötigen tendenziell mehr Zeit, weil Policies zu Umwelt, Arbeitsrechten und Ethik oft erst erstellt werden müssen. Bei einer erneuten Bewertung nach zwölf bis 24 Monaten sinkt der Aufwand meist deutlich, weil viele Nachweise nur aktualisiert werden müssen.
Ja, weil viele der abgefragten Kennzahlen und Nachweise zwischen EcoVadis, CDP, ISS und der CSRD-Berichterstattung überlappen. ESG-Software mit Datenwiederverwendung, Fragebogen-Vorbefüllung und API-Anbindungen an Rating-Portale reduziert den mehrfachen manuellen Aufwand erheblich. Statt für jedes System eine eigene Datenerhebung zu starten, pflegt das Unternehmen Kennzahlen einmal zentral und exportiert sie in die jeweiligen Formate. Mehrere Anbieter mit dieser Funktion sind im Abschnitt zur Vorbereitungssoftware auf dieser Seite genannt.
CDP bewertet eingereichte Fragebögen zu Klima, Wasser und Wäldern auf einer Buchstabenskala von D bis A, wobei A die höchste Bewertung darstellt und D die geringste erfasste Reife signalisiert. Die Skala unterscheidet grob zwischen reiner Offenlegung, Bewusstsein, Management und tatsächlicher Führungsleistung im jeweiligen Themenbereich. Investoren und Großkunden nutzen den Buchstaben häufig als schnellen Vergleichswert zwischen Lieferanten oder Portfoliounternehmen. Eine genaue Aufschlüsselung der Zwischenstufen veröffentlicht CDP in der eigenen Methodik-Dokumentation, Unternehmensangaben, 2026.
Die Angaben zu EcoVadis, CDP und ISS auf dieser Seite basieren auf öffentlich zugänglichen Unternehmensangaben der jeweiligen Ratinganbieter, Stand 2026. Preis- und Aufwandsangaben ohne öffentliche Quelle sind als Markteinschätzung aus Referenzprojekten gekennzeichnet und ersetzen kein individuelles Angebot der Anbieter.
Nutzen Sie das neutrale Matching von find-your-esg.de, um ESG-Software zu finden, die EcoVadis-, CDP- und ISS-Anfragen aus denselben Daten bedient.