Klimabilanzierung

CO2-Bilanz erstellen: Scope 1, 2 und 3 verstehen

Eine CO2-Bilanz zeigt, wie viele Treibhausgase ein Unternehmen verursacht. Das international anerkannte Greenhouse Gas Protocol teilt diese Emissionen in drei Bereiche, die Scopes 1, 2 und 3. Dieser Leitfaden erklärt die drei Scopes, die 15 Kategorien von Scope 3 und den Weg zur fertigen Bilanz.

Kurz erklärt

Eine CO2-Bilanz, auch Treibhausgasbilanz oder Carbon Footprint genannt, erfasst alle Treibhausgase, die ein Unternehmen in einem Jahr direkt und indirekt verursacht. Scope 1 sind direkte Emissionen, Scope 2 die eingekaufte Energie und Scope 3 alle übrigen Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Gemessen wird in CO2-Äquivalenten (CO2e).

Nutzen

Warum Unternehmen eine CO2-Bilanz brauchen

Die CO2-Bilanz ist die Grundlage jeder Klimastrategie. Ohne sie bleibt unklar, wo Emissionen entstehen und wo sich Reduktion lohnt. Vier Gründe machen sie für Unternehmen unverzichtbar.

01

Berichtspflichten

Die CSRD verlangt von großen Unternehmen ab dem Berichtsjahr 2027 eine Treibhausgasbilanz nach den Scopes 1, 2 und 3. Auch der Standard für kleine Unternehmen, der VSME, baut darauf auf.

02

Anforderungen von Kunden und Banken

Große Auftraggeber fragen den CO2-Fußabdruck ihrer Lieferanten ab, weil er Teil ihrer eigenen Scope-3-Bilanz ist. Ohne belastbare Zahlen wird es in Ausschreibungen eng.

03

Kosten und Effizienz

Wer Energie und Material misst, erkennt teure Verbräuche. Die Bilanz deckt Einsparpotenziale auf, die ohne Zahlen unsichtbar bleiben.

04

Glaubwürdigkeit

Reduktionsziele sind nur glaubwürdig, wenn ein gemessener Ausgangswert existiert. Die Bilanz liefert das Basisjahr, an dem sich jeder Fortschritt messen lässt.

Das Grundprinzip

Die drei Scopes im Überblick

Das Greenhouse Gas Protocol ordnet jede Emission einem von drei Bereichen zu. Diese Einteilung verhindert, dass Emissionen doppelt gezählt oder übersehen werden.

Scope 1

Direkte Emissionen

Emissionen aus Quellen, die das Unternehmen selbst besitzt oder kontrolliert. Dazu zählen die Verbrennung von Gas und Öl in eigenen Heizungen, der Kraftstoff des eigenen Fuhrparks und Prozessemissionen aus der Produktion.

Scope 2

Eingekaufte Energie

Indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie: Strom, Fernwärme, Dampf und Kälte. Sie entstehen physisch beim Energieversorger, werden aber dem Verbraucher zugerechnet.

Scope 3

Wertschöpfungskette

Alle übrigen indirekten Emissionen, vorgelagert und nachgelagert: eingekaufte Güter, Transport, Geschäftsreisen, die Nutzung verkaufter Produkte und ihre Entsorgung. Meist der mit Abstand größte Anteil.

Bei vielen Unternehmen entfallen 70 bis 90 Prozent der Gesamtemissionen auf Scope 3. Eine Bilanz, die Scope 3 ausklammert, zeigt daher nur einen Bruchteil des tatsächlichen Fußabdrucks.
Scope 3 im Detail

Die 15 Kategorien von Scope 3

Das Greenhouse Gas Protocol unterteilt Scope 3 in 15 Kategorien, acht vorgelagerte und sieben nachgelagerte. Nicht jede Kategorie ist für jedes Unternehmen relevant. Ziel ist, die wesentlichen zu erkennen und zu bilanzieren.

Vorgelagert, Kategorie 1 bis 8
  • 01Eingekaufte Güter und Dienstleistungen
  • 02Kapitalgüter
  • 03Brennstoff- und energiebezogene Emissionen
  • 04Vorgelagerter Transport und Verteilung
  • 05Abfall aus dem Betrieb
  • 06Geschäftsreisen
  • 07Pendeln der Mitarbeitenden
  • 08Vorgelagerte geleaste Sachanlagen
Nachgelagert, Kategorie 9 bis 15
  • 09Nachgelagerter Transport und Verteilung
  • 10Verarbeitung verkaufter Produkte
  • 11Nutzung verkaufter Produkte
  • 12Entsorgung verkaufter Produkte
  • 13Nachgelagerte geleaste Sachanlagen
  • 14Franchise
  • 15Investitionen
Das Greenhouse Gas Protocol überarbeitet den Scope-3-Standard derzeit. Ein Zwischenstand von März 2026 sieht unter anderem eine neue Kategorie 16 für weitere Aktivitäten in der Wertschöpfungskette vor. Ein Konsultationsentwurf wird Mitte 2026 erwartet, der finale Standard nicht vor 2027.
Methodik

Nach welchen Regeln bilanziert wird

Damit Bilanzen vergleichbar und prüffähig sind, folgen sie einem anerkannten Standard. Drei methodische Festlegungen prägen jede CO2-Bilanz.

01

Das Greenhouse Gas Protocol

Der weltweit meistgenutzte Standard für die Treibhausgasbilanzierung von Unternehmen. Er definiert die Scopes, die Kategorien und die Berechnungsregeln und ist auch die Grundlage der europäischen Berichtsstandards.

02

Bilanzierungsgrenzen

Vor der ersten Zahl wird festgelegt, welche Gesellschaften und Standorte zur Bilanz gehören und welcher Zeitraum gilt. Ein einmal gewähltes Basisjahr dient als fester Vergleichspunkt für alle Folgejahre.

03

Markt- und standortbasiert

Für Scope 2 gibt es zwei Sichten. Die standortbasierte Methode nutzt den durchschnittlichen Strommix der Region, die marktbasierte Methode die tatsächlich eingekauften Stromprodukte wie Ökostrom. Häufig werden beide Werte ausgewiesen.

Vorgehen

In sechs Schritten zur CO2-Bilanz

Eine CO2-Bilanz entsteht in einer festen Reihenfolge. Diese sechs Schritte führen von der Vorbereitung zum prüffähigen Ergebnis.

01

Bilanzgrenzen festlegen

Bestimmen Sie, welche Standorte, Gesellschaften und welcher Zeitraum erfasst werden, und legen Sie ein Basisjahr fest.

02

Datenquellen erschließen

Sammeln Sie Verbrauchsdaten: Energierechnungen, Kraftstoffmengen, Reisedaten sowie Einkaufs- und Lieferantendaten. Klären Sie früh, wo Daten fehlen.

03

Emissionen berechnen

Multiplizieren Sie die Aktivitätsdaten mit passenden Emissionsfaktoren. Das Ergebnis wird in CO2-Äquivalenten ausgedrückt, die alle Treibhausgase vergleichbar machen.

04

Scope 3 eingrenzen

Prüfen Sie alle 15 Kategorien auf Relevanz und bilanzieren Sie die wesentlichen. Für den Anfang sind belastbare Schätzungen besser als gar keine Zahl.

05

Ergebnisse dokumentieren

Halten Sie Methoden, Annahmen und Datenquellen nachvollziehbar fest. Diese Dokumentation ist die Voraussetzung für eine spätere Prüfung.

06

Maßnahmen ableiten

Nutzen Sie die Bilanz, um die größten Quellen zu erkennen, Reduktionsziele zu setzen und den Fortschritt Jahr für Jahr zu verfolgen.

Stolpersteine

Typische Fehler bei der CO2-Bilanzierung

Diese Fehler kosten Zeit und Aussagekraft. Wer sie kennt, vermeidet sie von Anfang an.

  • Scope 3 ganz weglassen, obwohl dort der größte Teil der Emissionen liegt
  • Mit perfekter Datenqualität starten zu wollen, statt mit belastbaren Schätzungen zu beginnen
  • Das Basisjahr unklar definieren, sodass spätere Vergleiche nicht möglich sind
  • Emissionsfaktoren verwenden, ohne ihre Quelle und ihr Jahr zu dokumentieren
  • Die Bilanz als einmalige Pflichtübung behandeln, statt sie jährlich fortzuschreiben
  • Methoden zwischen den Jahren wechseln, ohne die Werte rückwirkend anzupassen
Umsetzung

Von der Bilanz zur passenden Software

Ab einer gewissen Datenmenge wird die CO2-Bilanz in der Tabelle unübersichtlich und fehleranfällig. Spezialisierte ESG- und Carbon-Accounting-Software erfasst Daten, hinterlegt Emissionsfaktoren und erzeugt prüffähige Ergebnisse.

Welche Software zu Ihrer CO2-Bilanz passt, hängt von Branche, Datenlage und Berichtspflicht ab. Unser KI-Matching vergleicht Ihr Profil in wenigen Minuten mit dem Markt und schlägt passende Lösungen vor.
Fragen und Antworten

Häufige Fragen zur CO2-Bilanz

Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen wie Heizung und Fuhrpark. Scope 2 betrifft eingekaufte Energie, vor allem Strom und Fernwärme. Scope 3 umfasst alle übrigen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, von Lieferanten bis zur Nutzung der Produkte.
Neben Kohlendioxid gibt es weitere Treibhausgase wie Methan und Lachgas mit unterschiedlicher Klimawirkung. Das CO2-Äquivalent rechnet alle Gase auf die Wirkung von Kohlendioxid um, sodass sie sich zu einer einzigen Zahl addieren lassen.
Große Unternehmen, die unter die CSRD fallen, müssen ihre Treibhausgasemissionen ab dem Berichtsjahr 2027 offenlegen, börsennotierte kleinere Unternehmen ab 2028. Viele nicht direkt verpflichtete Unternehmen erstellen eine Bilanz, weil Kunden oder Banken die Daten verlangen.
Scope 1 und 2 lassen sich oft in wenigen Wochen erfassen, da die Daten auf Energierechnungen stehen. Scope 3 ist aufwendiger, weil Daten aus Einkauf und Lieferkette zusammenkommen müssen. Mit Software verkürzt sich der wiederkehrende Aufwand deutlich.
Ein Emissionsfaktor gibt an, wie viele Treibhausgase pro Einheit einer Aktivität entstehen, etwa pro Kilowattstunde Strom oder pro Liter Diesel. Multipliziert man Verbrauchsdaten mit dem passenden Faktor, ergibt sich die Emissionsmenge.
Nein. Bilanziert werden die für das Unternehmen wesentlichen Kategorien. Welche das sind, unterscheidet sich je nach Geschäftsmodell. Ein Hersteller hat andere Schwerpunkte als ein Dienstleister.
Das Greenhouse Gas Protocol überarbeitet derzeit den Scope-3-Standard. Ein Zwischenstand von März 2026 nennt unter anderem eine mögliche neue Kategorie 16 und strengere Abdeckungsregeln. Ein Konsultationsentwurf wird Mitte 2026 erwartet, der finale Standard nicht vor 2027. Die Grundstruktur mit den drei Scopes bleibt bestehen.
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